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Der Tag beginnt mit makellosem Wetter. Nach dem Frühstück fahre ich nach Agnóntas, den kleinen Hafen, an dem ich vor drei Tagen die Insel zum ersten Mal betreten habe. Der winzige Ort besteht lediglich aus ein oder zwei Dutzend Privatunterkünften und zwei Tavernen am Strand. Ich parke den Wagen am Hafen, wandere zunächst anderthalb Kilometer die Straße zurück und biege dann auf einen Schotterweg in den Wald ab.

Schon gestern waren mir sichtlich neue Tanks aufgefallen, die an verschiedenen Stellen in den Wäldern zu finden sind. Sie fassen jeweils gut 60 m³ Wasser zur Bekämpfung von Waldbränden, von denen Griechenland in den vergangenen Jahren zunehmend heftig betroffen war. Auch der Waldweg wurde in jüngster Zeit feuerwehrtauglich ausgebaut. Der dafür notwendige Schotter wird nur wenige Hundert Meter weiter direkt vor Ort gewonnen. Griechenland ist ein Stein-reiches Land.

Ungefähr 20 Minuten später erreiche ich die Hügelkuppe, hier endet der Wald abrupt. Der bis zum Meer abfallende Hang wurde vor acht Jahren Opfer eines Waldbrandes. Die dicht nachwachsenden Jungbäume erreichen inzwischen bereits Höhen von zwei bis vier Metern, was jedoch nicht ausreicht, um den Weg zur Küste hinab zu beschatten. Der Abstieg wird dadurch zu einer schön warmen Angelegenheit.

Wenn man die Natur gewähren lässt, wird sie von selbst mit allen Störungen fertig.
(Jean-Baptiste Poquelin aka Molière)

An der Küste finden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander drei sehenswerte Naturdenkmäler. Zunächst tut sich der Abgrund zu einer schmalen Bucht auf. Sie ist zu beiden Seiten von senkrechten weißen Felswänden flankiert, die bis zur Abbruchkante mit grünen Kiefern oder Pinien bewachsen sind. Wenn der Himmel blau strahlt, vermischen sich die Farben zu einer faszinierenden Palette. Von hell- bis dunkelblau, mit Tönungen von Azur bis Türkis, ist je nach Standort und Sichtwinkel alles dabei. Ein wunderbarer Anblick.

Nur wenige Meter westlich bildet die Amárandos-Grotte die nächste Sehenswürdigkeit. Genau wie die Bucht ist sie nur vom Meer aus zu erreichen und genau wie bei dieser ist das Farbenspiel grandios.

Die dritte und publikumswirksamste Attraktion befindet sich ebenfalls in der Nähe, keine 200 Meter entfernt. Entlang eines Fußpfades durch die Macchie gelangt man zum sogenannten Amárandos Beach. Dabei ist "Beach" mehr als irreführend, aber es klingt halt gut. Auf einer steil ins Meer abfallenden weißen Felsenzunge steht eine malerische Gruppe dreier Pinien. Sie sind - neben dem gestern besuchten Ágios-Ioánnis-Felsen - der zweite ikonische Drehort des "Mamma Mia!"-Films. Der Besucherandrang ist zum Glück dennoch so moderat, dass er nicht stört, sondern ich ihn dagegen nutzen kann, ein Foto von mir machen zu lassen.

So unscheinbar die Szene auf den ersten Blick wirkt, wenn man unter den Bäumen sitzt und aufs Meer schaut, dem Klang der auf die Felsen schlagenden Wellen sowie dem Wind in den freistehenden Bäumen lauscht, ergibt das zusammen eine Stimmung, die mich zu einer langen Pause verleitet. In Sichtweite, wenn auch fast einen Kilometer Luftlinie entfernt, fährt die Inselfähre in die kleine Bucht ein. Es erinnert mich daran, dass seit gestern der Haupthafen in Skópelos-Stadt für eine Woche erneut nicht genutzt werden kann, da in ihm umfangreiche Baggerarbeiten durchgeführt werden. Meine Rückreise muss demzufolge erneut über diesen Hafen stattfinden.

Ich beende die Runde und erreiche meinen Ausgangspunkt in Agnóntas zur späten Mittagszeit. Wie könnte ich die Gelegenheit nicht nutzen, in einer der Tavernen am Strand einen Tsatsíki zu genießen?

Am Nachmittag fahre ich weiter nach Pánormos. Der dortige Strand liegt in einer weit ins Land reichenden geschützten Bucht an der Westküste und ist sicherlich einer der einladendsten der Insel. Er ist sandig bis feinkiesig, das Treibgut wurde zur Vorbereitung der Saison bereits ordentlich zu Haufen geharkt. Zum Teil grenzen geschmackvolle Unterkünfte mit gepflegten Gärten direkt an den Strand. Es gibt zwei geöffnete Tavernen, während im Ort selbst, wie in allen anderen Badeorten, die Winterruhe anhält.

Das heutige Wetter ist das schönste bisher, die Sonne brennt und das Thermometer zeigt zum ersten Mal eine Lufttemperatur von über 20°C. Ich freue mich darüber, dass es hier, wie vielerorts in Griechenland, weiterhin üblich ist, dass ein Gast die Schirme und Liegen kostenfrei nutzen kann, wenn er etwas konsumiert. Dazu reicht ein gut gekühltes Kaiser-Pilsener, das zu alledem einen Euro günstiger ist als in der Stadt. Leise Musik dringt aus der Tavernenküche, leise spielen die Wellen mit den Kieseln. Ein elysischer Ort, perfekt für die Siesta!

Look at me, I am old
But I'm happy
(Steven Demetri Georgiou aka Cat Stevens)

Das "Elysium" (eigentlich "Elýsion") bezeichnet das Paradies der griechischen Mythologie. Es galt als Teil der Unterwelt, aber im Gegensatz dazu war die Vorstellung des Elysiums ein sonnendurchfluteter Ort mit üppiger Natur, an dem ewiger Frühling herrscht und völlige Harmonie existiert.

Später am Nachmittag fahre ich zurück in die Stadt und setze die Bierverkostung fort. Heute wähle ich ein "India Pale Ale", welches die gestrigen beiden noch übertrifft. Es begeistert mich immer wieder, wie viel Geschmacksvielfalt man aus nur vier einfachen Zutaten zaubern kann.

Zum Abendessen suche ich dieselbe Taverne wie am Vortag auf. Heute wähle ich Zucchinistäbchen, Sepia mit Spinat und 1/2 l weißen Hauswein. Die dicken Sepiastücke sind zart wie Hühnchen und leicht scharf gewürzt, was in Griechenland selten ist. Das Gericht ist ungewöhnlich und sehr delikat, sieht jedoch absolut nicht "instagrammable" aus. Da es zum ersten Mal abends so mild ist, dass man ohne Daunenjacke draußen sitzen mag, beschließe ich den herrlichen Tag mit einem Tsípouro an der Promenade.

Skópelos:


Agnóntas:


Amárandos Beach:


Agnóntas:


Pánormos Strand:


Skópelos: