Skópelos 01.05.2026

Zu den Bildern

"Ich werde mich auch ein bißchen in Form bringen müssen", sagte er, als er sich in einem staubigen Spiegel [...] betrachtete. Er hatte schon lange keine anstrengenden Wanderungen mehr gemacht, und sein Spiegelbild, fand er, sah ziemlich schlapp aus.
(John Ronald R. Tolkien)

Die Sporadeninsel Skópelos wurde zwar durch die Dreharbeiten für den Film "Mamma Mia!" etwas bekannter, gilt aber immer noch eher als Geheimtipp denn als touristische Hochburg. Für aufsehenerregende Aktivitäten oder spektakuläre Abenteuer ist die Insel nicht das geeignete Ziel. Sie kann nicht mit tiefen Schluchten, Vulkanismus oder sonstigen beeindruckenden Naturwundern aufwarten. Sie besitzt keine antiken Stätten, keine Klöster von nationalgeschichtlicher Bedeutung und nur wenige, zumeist kiesige Strände. Ein Mittelgebirge mit waldreichen Hügelzügen prägt die Landschaft. Genau das Richtige also, um einige unbeschwerte Tage mit entspannten Wanderungen zu verbringen.

Wir sind in diesem Jahr nicht dieselbe Person, die wir im letzten Jahr waren.
(William Somerset Maugham)

Für die Anreise zum Flughafen Düsseldorf mit öffentlichen Verkehrsmitteln habe ich aus eigener Erfahrung einen großzügigen Zeitpuffer eingeplant. Wie so oft benötigt man ihn nicht, wenn man ihn hat. Weil zusätzlich alle Aktionen, die früher oft lange Warteschlangen an Serviceschaltern verursacht haben, inzwischen dem Passagier selbst zugemutet werden, ist die seit Jahrzehnten gültige Empfehlung, mindestens zwei Stunden vor Abflug einzutreffen, inzwischen überholt. Jedenfalls in der Vorsaison. Der Check-in hat vorab online stattgefunden und die Geräte zum Eigendruck der Etiketten für das Gepäck sowie zur Aufgabe desselben sind zahlreich vorhanden. Nicht einmal bei der Sicherheitskontrolle muss ich lange warten. Mir bleibt also reichlich Zeit, darüber nachzusinnen, ob ich alles richtig gemacht habe: Ich werde bei 25°C und strahlender Sonne abheben und in Athen bei regnerischen 13°C ankommen. Verkehrte Welt!

Die "Aegean Air" ist eine der wenigen verbliebenen Billigfluglinien in Europa, die dem Reisenden unterwegs einen Imbiss ohne Aufpreis serviert. Der Flug über Mitteleuropa ist ruhig. Westlich von Triest erreichen wir das Mittelmeer, überfliegen Istrien und folgen im weiteren Verlauf exakt der Adriaküste, wo Turbulenzen kurz für leichte Unruhe unter den Passagieren sorgen. Ab Montenegro ändert sich das Wetter. Die Bucht von Kotor ist noch deutlich zu sehen, dann wird die Wolkendecke schnell undurchdringlich. Beim Landeanflug auf Athen herrscht tristes Grau. Um Punkt 17:00 Uhr setzen wir auf.

Der "Panhellenische Seemannsverband" hat für den heutigen "Tag der Arbeit" zu einem landesweiten Streik aufgerufen, weshalb alle Fähren in ganz Griechenland im Hafen bleiben. Ich habe meine Passage zum Glück erst übermorgen und für heute eine Übernachtung im nahegelegenen Ártemida gebucht. Meine Gastgeberin wartet bereits am Ausgang und chauffiert mich zur Unterkunft.

Was als Appartement angeboten war, entpuppt sich als vollwertige Drei-Zimmer-Wohnung, die mit Ausnahme einer Garage das komplette Souterrain eines freistehenden Hauses in Anspruch nimmt. Sie ist komfortabel und vollständig eingerichtet, es könnte eine vierköpfige Familie problemlos hier einziehen. Auch die Lage stimmt: In weniger als fünf Minuten spaziere ich zum Meer.

Wenn man darauf hofft, irrt die Wettervorhersage leider selten. Die angekündigte Temperatur trifft auf leichten Regen und kombiniert sich mit einer steifen Brise, die mich eher an Nordsee denn an Ägäis denken lässt. Immerhin hört der Regen bald auf, sodass ich einen Spaziergang unternehmen kann. Die Strandpavillons sind verwaist, Tamarisken und Eukalyptusbäume windzerzaust. Nur die Statue der Göttin, welche dem Ort den Namen gab, lässt keinen Zweifel daran, sich tatsächlich im Land der südlichen Sonne zu befinden.

Diesen Regen schlechtes Wetter zu nennen, ist so unangemessen, wie es unangemessen ist, den brennenden Sonnenschein schönes Wetter zu nennen.
(Heinrich Böll)

Zum Abendessen kehre ich an die Promenade zurück. Ich bestelle Zucchini, die wie Pommes geschnitten und in einer Art Pankomehl knusprig frittiert sind. Eine solche Variante der Zucchinizubereitung hatte ich noch nie. Dazu gibt es einen Dill-Joghurt-Dipp und später ein käsegefülltes Biftéki sowie Mamós-Bier. Alles zusammen ist mehr als reichlich, und zu allem Überfluss wird mir mit der Rechnung eine Portion Loukoumádes serviert, die für eine Person mehr als reichlich ist ist. Je zur Hälfte mit Zimt bzw. mit flüssiger Schokolade verfeinert, kann ich den fluffig frittierten Hefeteigbällchen trotzdem nicht widerstehen.

Der eigentlich dringend notwendige Verdauungsspaziergang fällt Wind und Regen zum Opfer.

Anreise:


Ártemida: