Die letzten Wolken sind Vergangenheit, ein endlos blauer Himmel begleitet meine Fahrt zum Flughafen. Allmählich normalisiert sich mein Blutdruck wieder, der vom Abenteuer, mit dem Auto der Altstadt von Livadiá zu entkommen, in die Höhe gesprungen war.
Die Navigations-App wollte mich mehrfach in Straßen entgegen der erlaubten Fahrtrichtung leiten und war durch die Vielzahl und schnelle Aufeinanderfolge der Einbahnstraßen schließlich überfordert. Ich hatte es zu spät bemerkt und hätte mich lieber auf mein Bauchgefühl verlassen sollen. Jedenfalls landete ich letztendlich im Labyrinth der Altstadt, deren Gassen kaum eine Hand breiter als das Auto sind und sich am Ende einer 30-prozentigen Steigung eine vorher nicht einsehbare 90°-Kurve befindet. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich war kurz davor, in Panik zu geraten, und habe dabei einige Kratzer in die Kotflügel des Mietwagens gefahren. Selten habe ich mich über eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung mehr gefreut.
Als ich gegen 9:30 Uhr den Flughafen erreiche, zeigt das Thermometer bereits 22°C. Es ist ein Wetter zum Ankommen, nicht zum Abfliegen. Ich gebe mein Gepäck auf, hole mir ein Frühstück und setze mich damit vor das Hauptterminal. Plötzlich bin ich von zwei Dutzend jungen Männern in schwarzen Trikots umgeben. Ihre Stimmung scheint bedrückt, und nun erinnere ich mich daran, gestern auf dem Weg zum Abendessen an einer Sportsbar vorübergegangen zu sein, in der die Übertragung des griechischen Pokalfinales gezeigt wurde. Der OFI Crete FC verlor dabei 0:2 gegen Olympiakós Piräus. Als ich die Aufschrift des Busses sehe, dem die jungen Männer entsteigen, wird mir deren Stimmung verständlich.
Die Ankunft des Fliegers aus Deutschland und damit der Rückflug verspäten sich um eine Stunde. Beim Boarding genieße ich die letzten Sonnenstrahlen. Wir starten nach Osten, ziehen eine Kurve über Euböa und fliegen nach Norden über die Chalkídiki, sodass mir zum Abschied ein schöner Blick auf den Berg Áthos bleibt. Bald verdichten sich die Wolken erneut und bilden für den Rest des Fluges eine undurchsichtige Decke.
Fest steht: Griechenland ist ein ungemein schönes Land, mit tollen Menschen, atemberaubender Natur,
ganz viel Gastfreundlichkeit und unnachahmlicher Kultur. Man sollte daher nach Griechenland reisen, so oft es möglich
ist.
(Daniel Schieferdecker)