Zu den Bildern

Die Wetterberichte sind sich einig in ihren Vorhersagen, dass es in der zweiten Wochenhälfte kühler werden, auch wenn es weiterhin sonnig bleiben soll. Aus diesem Grund entscheiden wir uns, das heutige Sommerwetter erneut am Wasser zu genießen. Wir fahren nach Vlycháda, der dortige Strand wird in Reiseführern als ruhig, zwanglos oder "kaum entdeckt" beschrieben.

Die Straße dorthin ist schmal und führt durch eine steppenartige Landschaft. Kurz vor dem Ziel wird es dann richtig unattraktiv: Vernachlässigte Industrieanlagen, in denen einstmals die Tomatenernte der Insel zu Konserven verarbeitet wurde, eine Art Werft, die genauso gut ein Schiffsfriedhof sein könnte und aufgegebene Tavernen, die vielleicht früher mal einladend waren. Am Beginn des Strandes drängen sich die Liegen dicht an dicht, weiter hinten ist er schmal, vollkommen vegetations- und leblos. Die ganze Umgebung ist staubig und gefällt uns überhaupt nicht.

Die Dinge haben nur den Wert, den man ihnen verleiht.
(Jean-Baptiste Poquelin aka Molière)

Eine nahegelegene Alternative findet sich in Perívolos. Der dortige, im Sommer für Partystimmung bekannte und beliebte Strand ist eigentlich die Verlängerung desjenigen von Períssa, an dem wir gestern waren. Zu dieser Jahreszeit sind die Partys jedoch vorüber, während die Infrastruktur nach wie vor hervorragend ist. Wir lassen uns am Ende des bewirtschafteten Bereichs nieder, wo es ruhig ist und wir fast alleine sind. Hier gefällt es uns ausgezeichnet.

Die Wetterbedingungen sind perfekt: Mit 26°C ist es nicht allzu heiß und es weht ein mäßiger Wind, sodass man in der Sonne nicht überhitzt. Alles in allem wird es ein sehr erholsamer Aufenthalt.

Gegen 15:30 Uhr packen wir zusammen, da wir auf dem Rückweg einen Abstecher nach Pírgos machen wollen, der Hauptstadt der Insel während der türkischen Besatzungszeit. Das Dorf liegt auf dem Gipfel eines Hügels und ist bekannt für seine verwinkelten Wege, unübersichtlichen Treppen und Sackgassen, die in früheren Zeiten Angreifer in einen Hinterhalt locken sollten.

Zunächst kehren wir im Zentrum in eine schön gelegene Taverne ein. Im Schatten von Kiefern lassen wir uns Tomatokeftédes (frittierte Tomatenpuffer) und Lammfleischbällchen in Tomatensalsa schmecken. Außerdem nehmen wir eine Portion Fáva. Dies ist ein Püree aus gelben Spalterbsen, das typischerweise mit Kapern und Kapernblättern serviert wird. Wir werden spontan zu Liebhabern dieser typisch santorinischen Spezialität. Zusammen mit zwei Mýthos-Bieren sind wir danach ausgerüstet, um die nicht wenig kräftezehrende Erkundung des Ortes anzugehen.

Wir tauchen ein in ein weiß-blaues Labyrinth. Rechts und links verlieren ihre Bedeutung, die einzige sinnvolle Orientierung ist nach oben bzw. nach unten. Auf halber Höhe liegt Ágios Theotokáki, die älteste Kirche der Insel, deren Ursprünge auf das 10. Jahrhundert zurückgehen. Weiter oben findet sich die Mariä-Himmelfahrt-Kirche mit ihrem markanten Glockenturm sowie die kleine, ebenfalls sehr alte Ágios Nikoláos-Kapelle. Letztere besitzt einige wertvolle, teilvergoldete Ikonen, die ein wachsamer Aufpasser nicht aus dem Auge lässt.

Ich war einige Male hier oben und streunte durch die [...] Treppengassen, für die Worte wie malerisch oder pittoresk eine horrende Beleidigung wären.
(Dennis Freischlad)

Die Lage des Dorfes ist mit Bedacht gewählt. Von den Mauern des hoch oben befindlichen Kastells lässt sich fast die ganze Insel überschauen. Der Blick nach Norden ist besonders schön. In den schmalen Gassen haben sich einige Souvenirgeschäfte niedergelassen, die vorwiegend hochpreisige Produkte wie handgefertigte Keramikartikel anbieten. Teilweise sind auch Textilien im Sortiment, alles im passenden Farbschema aus Weiß und Blau. Jedes noch so kleine Eckchen wird genutzt.

Vor der Rückfahrt genehmigen wir uns im Ortszentrum einen frischen Orangensaft und decken uns in einem Supermarkt mit etwas Proviant ein. Wegen des späten und reichlichen Mittagessens wollen wir heute nämlich nicht mehr ausgehen, sondern stattdessen einen gemütlichen Abend auf unserem Balkon verbringen. Dies jedoch nicht, ohne vorher den erneut äußerst malerischen Sonnenuntergang bewundert zu haben.

Es war ein gesegneter Augenblick - ein Sonnenuntergang, wie die Griechen und Römer ihn kannten -, in dem die schwingende Wiegebewegung der See sich allmählich im Bewusstsein wiederholte und der das Gemüt im elementaren Rhythmus der Erde selbst pulsieren ließ.
(Lawrence Durrell)

Vlycháda-Strand:


Perívolos-Strand:


Pírgos:


Firá: