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Am Morgen weckt uns Sonnenlicht, das nicht vom kleinsten Dunst abgeschwächt wird. Vom Balkon unseres Zimmers blicken wir über den flachen Ostteil der Insel und auf den Profítis Ilías. Wie auf fast allen griechischen Inseln trägt auch hier der höchste Berg diesen Namen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hotels befindet sich der Frühstücksbereich mit einem stilvollen Wintergarten und einem großen Balkon. So kann man bereits beim morgendlichen Büfett das grandiose Panorama mit einer der größten Calderen der Welt bewundern.

Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag [...] zum Leben ist.
(Dalai Lama)

Den ersten Tag unseres Aufenthalts planen wir am Meer zu verbringen. Die besten Plätze dazu befinden sich im Süden und Osten der Insel. Wir fahren nach Períssa, das für seinen kilometerlangen Strand bekannt ist. Vielerorts werden Schirme und Liegen angeboten, die kostenfrei zu benutzen sind, sofern man in der anliegenden Strandbar mindestens ein Getränk bestellt. In der Nachsaison ist nur ein kleiner Teil der Liegen belegt.

Die Wassertemperatur liegt bei gefälligen 25°C. Ein beständiger, leichter Wind und ein Kafé frappé sind weitere Puzzleteile, die den Aufenthalt äußerst entspannt gestalten. Der anthrazitfarbene Lavasand fließt angenehm weich um die Füße, wird bei höherstehender Sonne allerdings extrem heiß, sodass man selbst noch Ende September mit Badeschuhen ausgerüstet sein sollte.

Ich war vor 32 Jahren bereits auf Santorín und habe damals zwei Wochen in Períssa verbracht. Um zu schauen, inwieweit sich der Ort während dieser Zeit verändert hat, machen wir am Mittag einen kleinen Spaziergang. Ich bin irritiert: Ich habe zu keiner Zeit den Eindruck, schon einmal hier gewesen zu sein. Während es damals weniger als eine Handvoll Tavernen gab und die wenigen bebauten Grundstücke bis an den Strand reichten, gibt es nun eine lange Uferstraße, an der sich durchgehend Tavernen, Cafés, Bars und Hotels abwechseln. Lediglich die Ortskirche mit ihrem charakteristischen, freistehenden Glockenturm kommt mir bekannt vor, darüber hinaus ist der Ort nicht wiederzuerkennen.

Ich zähl die Jahre, die seitdem vergangen, schon lange nicht mehr an den Fingern einer Hand.
(Reinhard Mey)

In einer der Tavernen gönnen wir uns anschließend zwei kühle Biere und einen gegrillten Kalmar, ehe wir den Nachmittag weiter am Strand verbringen. Gegen 16 Uhr brechen wir auf und fahren nach Firá zurück.

Jetzt ist eine gute Zeit, den Hauptort der Insel ein wenig zu erkunden. Durch seine spezielle Lage am Kraterrand kann man sich kaum verlaufen. Die Bebauung zieht sich schmal an der Steilkante entlang und wird auf ihrer gesamten Länge nur von wenigen Gassen durchzogen. Zur flach abfallenden Ostseite wird der Ort von zwei parallel verlaufenden Autostraßen begrenzt.

An unserem Hotel bzw. der nebenan befindlichen orthodoxen Mitrópoli-Kirche beginnt die Hauptgeschäftsgasse, der wir bis zur etwas höher gelegenen katholischen Kathedrale folgen. Von dort aus liegt einem das Städtchen sehr malerisch zu Füßen. Der Weg führt schließlich weiter aus dem Zentrum hinaus. Die Aussicht ist bemerkenswert: Die weißen Häuser oben auf dem Felsen, 250 Meter darunter der kleine Hafen am tiefblauen Meer. Ich bin sehr beeindruckt.

Auf dem Rückweg schenken wir unsere Aufmerksamkeit neben fotogenen Details vor allem dem Angebot der Geschäfte. Böse Zungen behaupten, dass Firá vor allem dazu dient, die Kreuzfahrttouristen mit Gold und Juwelen zu versorgen. Fakt ist, die Anzahl der Schmuckgeschäfte pro Einwohner nimmt eine weltweite Spitzenposition ein. Dazwischen findet sich auch immer etwas für das leibliche Wohl, das ist hier zum Glück nicht anders als überall in Griechenland.

Zum Abendessen wird es klassisch: Mit Moussaká, Souvlákia, Weißwein und Mýthos-Bier genießen wir die Grundgerichte der Landesküche, wozu eine schlichte Birne zum Nachtisch passt. Auf dem Rückweg erstehen wir in einem kleinen Supermarkt einen lokalen Roséwein und lassen damit den schönen Tag auf unserem Hotelbalkon in aller Ruhe zu Ende gehen.

Firá:


Períssa:


Firá: