Santorín 26.09.2021

Zu den Bildern

Aus dem Inneren des Donners stammst du,
zitternd zwischen reuevollen Wolken,
Bitterer Fels, geprüft und stolz,
Als ersten Zeugen suchtest du die Sonne,
um mit ihr den kühnen Glanz zu erblicken.
(Odysseas Elytis, Ode an Santorin)

Kein Kontrast könnte größer sein, als nur drei Wochen nach der Rückkehr aus dem Épirus eine Reise nach Santorín anzutreten. Von einer Region, die kaum jemand kennt, einer Landschaft, die niemand in Griechenland erwarten würde, hin zu dem unangefochtenen Favoriten aller Griechenland-Prospekte, -Kalender und -Postkarten. Wir wagen es dennoch.

Anders als sonst beginnt die Reise dieses Mal auf dem Flughafen Frankfurt. Der Lufthansa Flug LH1290 startet bei leichtem Nieselregen pünktlich. Die meisten der Sitzreihen des Airbus A321 sind nicht voll besetzt, auch Heny und ich können uns auf drei Sitzplätzen ausbreiten. Südlich der Alpen ist es wolkenlos und wir haben von nun an einen herrlichen Blick auf die Welt.

Auf der zweiten Hälfte des Fluges können wir viel Bekanntes entdecken. Es beginnt mit den beiden großen Balkan-Seen, die ich schnell als Ohrid- und Prespasee identifizieren kann. Hier beginnt Griechenland. Nur einen Augenblick später liegt Kastoriá unter uns. Die Lage der Stadt auf einer schmalen Landbrücke ist sehr markant. Nun wird der Blick aus dem Fenster immer spannender. Der Olymp zeigt sich wolkenlos wie selten und in der äußerst klaren Luft lässt sich nicht nur Thessaloníki erkennen, sondern auch alle drei Finger der Chalkídiki. Weit in der Ferne schimmert sogar der Berg Áthos aus dem Dunst, und das in immerhin gut 200 Kilometer Entfernung.

Doch die spektakulären Ausblicke sind nicht vorüber. Unser Urlaubsziel des letzten Jahres, Vólos und die Pílion-Halbinsel wecken Erinnerungen. Im Norden der Insel Évia (Euböa) sind riesige schwarze Flächen als Folge der furchtbaren Waldbrände dieses Sommers auszumachen, etwas später präsentiert sich uns die Stadt Chalkída mit der schmalsten Meeresenge der Welt. Noch atemlos von so vielen spannenden Ausblicken beginnt bereits der Landeanflug auf Santorín.

War die Ankunft noch pünktlich, führt eine Störung des Kofferbands und eine Wartezeit bei der Übernahme des reservierten Nissan Micras dazu, dass wir erst gegen 18:30 Uhr unsere Unterkunft in Firá erreichen. Im Hauptort der Inselgruppe ist das "Atlantis" eines der traditionsreichsten Hotels der gesamten Kykladen und hat in seiner glorreichen Geschichte schon Könige, Staatsoberhäupter und Hollywoodstars beherbergt.

Gemäß einem im Vorfeld vereinbarten Arrangement werden wir mit einer Flasche perfekt temperiertem Prosecco empfangen, dem angemessenen Getränk, um von der Panoramaterrasse aus in der warmen Abendsonne den unvergleichlichen Blick über die riesige Caldera des Vulkaneilandes zu genießen. Ein makelloser Sonnenuntergang, für den Santorín berühmt ist, krönt etwas später den wundervollen Urlaubsbeginn. Als i-Tüpfelchen können wir in der schnell hereinbrechenden Dunkelheit ein kleines Feuerwerk über dem Ort bewundern.

Alles hatte sich vereinigt, um dieses Erlebnis einzigartig und fruchtbringend zu gestalten.
(Henry Miller)

Zum Essen besuchen wir eine Taverne auf der Dekigala-Straße, die am Abend für den Verkehr gesperrt und so zu einer Fußgängerzone wird. Wir beginnen mit Tsatsíki, gefolgt von einer gegrillten Dorade sowie in Tomatensoße geschmortem Rindfleisch auf Tagliatelle. Heny favorisiert zum Fisch einen Rosé, während ich ein lokales Craft-Bier probiere, ein "Volkan Santorini Black", ein hervorragendes, malziges Schwarzbier. Der Endpreis von 60 € überrascht mich nicht, zählt Santorín doch neben Mýkonos zu den teuersten Regionen Griechenlands. Insgesamt kostet das Leben hier ca. 50% mehr als im übrigen Land.

Zum Abschluss des Tages bummeln wir ein wenig durch die autofreien, engen Gassen des Städtchens. Alle Geschäfte sind noch geöffnet und es herrscht reges Treiben bis hinein in den späten Abend.