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Beim Frühstück lerne ich das Hotel richtig schätzen: Von einer umfangreichen Karte dürfen wir unbegrenzt auswählen. Tatsächlich ist in der frühen Stunde unser Appetit noch gering und wir sind mit Eiern und Speck bzw. einem riesigen Omelett und Kaffee mehr als zufrieden. Zum Abschied bekommen wir ein kleines Glas Honig mit auf den Weg.

Die winzige Fähre, die wir am Vorabend am Kai gesehen haben ist tatsächlich die, welche uns zurück nach Chóra Sfakíon bringen wird. Es finden sich immerhin ca. 20 Personen ein, was die Kapazität der Außensitzplätze bereits erschöpft. Pünktlich auf die Minute legen wir in Agía Rouméli ab. Heny und ich genießen die Fahrt sehr. In der herrlich frischen Morgenluft ist es ein Erlebnis mit so einem kleinen Boot auf dem Meer unterwegs zu sein. Obwohl es nicht sonderlich windig ist, schwankt das Schiffchen so heftig, dass die Gepäckstücke hin und her rutschen. In Loutró landen wir kurz an und nehmen eine ganze Reihe weiterer Passagiere an Bord, was das Fassungsvermögen der Fähre endgültig an die Grenze bringt. Dennoch kommen wir nach gut anderthalb Stunden lustiger Fahrt alle wohlbehalten im Zielhafen an.

Als unsere nächste Station haben wir das Kloster Préveli vorgesehen. Die Straße, die von Chóra Sfakíon dorthin führt, ist im Vergleich zu meinem letzen Kreta-Besuch fast unverändert, nur die bedenklich schmale, alte Steinbogenbrücke wurde inzwischen durch eine moderne Betonkonstruktion ersetzt. Zunächst geht es kurvenreich durch einige enge Bergdörfer, die sich an die bewaldeten Hänge schmiegen, später wird die Vegetation spärlicher. Obwohl wir nur 55 Kilometer Strecke zurücklegen müssen, benötigen wir knapp zwei Stunden bis zum Kloster.

Nur aufs Ziel zu sehen, verdirbt die Lust am Reisen.
(Friedrich Rückert)

Im gleißenden Licht der hochstehenden Sonne, die vom inzwischen vollkommen dunst- und wolkenlosen Himmel strahlt, bietet das Kloster einen unvergeßlichen Anblick, wie es hoch am Hang über dem libyschen Meer thront.

Wie viele kretische Klöster war auch Préveli nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern immer auch ein Zentrum des Widerstands und des Freiheitskampfes. Die letzte große Episode spielte sich im zweiten Weltkrieg ab, als der damalige Abt nach der deutschen Besetzung die Flucht der unterlegenen alliierten Soldaten organisierte, die an der nahen Küste von britischen U-Booten aufgenommen und so gerettet werden konnten. Mehrsprachige Gedenktafeln im Hof der Anlage erinnern daran.

Die unterhalb des Klosters angelegten Tiergehege für Pfauen, Enten, Strauße, Lamas und Rehe sind inzwischen fertiggestellt und überhaupt ist das Kloster in einem ausgezeichneten Zustand. Nette Details wie die Glocken im Baum, ein sehr fein gearbeitetes Mosaik, das zentrale Símantron oder die früher so wichtige Klosterquelle machen einen Rundgang lohnend. Die religiöse Bedeutung basiert auf heiligen Reliquien: In der Klosterkirche befindet sich ein Kreuz, das einen Splitter vom Kreuz Jesu enthalten soll. Das mag man ja durchaus glauben, aber beim Besuch des kleinen Museums entdecke ich dann Exponate, bei denen ich nicht umhin komme, das strenge Fotografierverbot zu brechen: Hier wird der "Heilige Schwamm" präsentiert, mit dem Jesus am Kreuze von einem römischen Soldaten etwas zu trinken angereicht worden sein soll.

Ein zweites Objekt finde ich ebenfalls erwähnenswert: Es handelt sich um die Darstellung der Enthauptung Johannes des Täufers. Der Henker trägt zwar den Brustpanzer eines römischen Offiziers, zeigt aber hinsichtlich sonstiger Kleidung und der Gesichtszüge deutlich türkische Merkmale. Angesichts dieser unreflektierten Vermischung der Feindbilder weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Das unterhalb des Klosters liegende Beinhaus ist leider nicht zugänglich und so machen wir uns nach der interessanten Besichtigung wieder auf den Weg. Wir fahren durch die Kourtaliótiko-Schlucht und erreichen bald das Bergdorf Spíli. Hier essen wir zu Mittag. Auf der wunderbar schattigen Terrasse von "Maria & Kostas" erfreuen wir uns an kühlem Mýthos-Bier, Tsatsíki, gegrillten Lammkoteletts bzw. Kaninchen in Weinsoße. Nach dem leckeren Mahl spazieren wir zum zentralen Ortsplatz: Er ist infolge der Hanglage in Stufen angelegt und wird von mehreren Platanen beschattet. Auf einer der Stufen befindet sich ein weithin bekannter Brunnen. Aus 25 venezianischen Löwenköpfen strömt seit bald 500 Jahren ganzjährig kühles Quellwasser bester Qualität. Das Wasser wird auch in Flaschen abgefüllt und ist eine der am meisten verbreiteten Marken auf Kreta. Mit einem leckeren Eis machen wir eine Pause an dem schönen Platz.

Von Spíli ist es eine weitere gute Stunde Fahrt bis Mátala, wo wir im "Bay Hotel" für die verbleibenden fünf Nächte reserviert haben. Nach einer ausgiebigen Siesta verspüren wir später keinen Hunger auf ein richtiges Abendessen. So reichen uns die salzigen Knabbereien, die in einer Strandbar mit schönem Blick auf die Bucht zum Bier serviert werden.

Fährfahrt:


Kloster Préveli:


Kourtaliótiko-Schlucht:


Spíli: