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In der zweiten Nachthälfte beginnt es erneut zu gewittern und es blitzt und donnert stundenlang fast pausenlos. Bei strömendem Regen nehmen wir uns Zeit für ein gemütliches Frühstück und da wir laut Wettervorhersage heute ganztägig mit Regen und Gewitter rechnen können, muss der erste Strandtag noch etwas warten. Wir entscheiden, unseren Urlaub mit einem Besuch der Inselhauptstadt zu beginnen. Die Verbindung zwischen Koukounariés und Skiáthos-Stadt ist vorbildlich: Die Busse fahren tagsüber im Viertelstundentakt, erst am späten Abend bis tief in die Nacht halbstündig. Für die 30-minütige Fahrt zahlt man zwei Euro pro Person.

In der Stadt begrüßt uns gleich der nächste Wolkenbruch, den wir bei Orangensaft und Eiskaffee am Neuen Hafen aussitzen. An der Promenade reihen sich die "Rent a Moto"-Läden aneinander und das Angebot an Mopeds, Quads, Buggys, Jeeps und Kleinwagen ist grenzenlos. Ein- bis zweimal pro Stunde landet ein Flugzeug - wir hatten gestern selber gesehen, dass die Einflugschneise nur wenige Hundert Meter von der Hafenpromenade trennen. Am späten Vormittag hört der Regen vorerst auf. Es ist weiterhin stark bewölkt, aber immerhin können wir mit der Erkundung des Städtchens beginnen.

Die kleine Insel Boúrtzi trennt den Neuen Hafen, der von zahlreichen Fähren aller Größenordnungen angefahren wird vom Alten Hafen, in dem die typischen malerischen kleinen Fischerboote vor sich hin dümpeln. Durch die Stadtmitte verläuft eine belebte Fußgängerstraße mit vielen Geschäften und noch mehr Tavernen. Jeder Hof und jeder Platz lädt mit seinem gastronomischen Angebot zum Verweilen ein.

Über der Stadt thront die kleine Kirche Ágios Nikólaos, deren Kuppel - ganz untypisch - innen kein Pantokrator-Abbild aufweist, sondern in griechischem Himmelblau gehalten ist. Abseits der Kirche steht der Glockenturm auf einem Platz, von dem wir eine wunderbare Rundumsicht über Ort und Hafen haben. Ich nehme mir vor, bei besserem Wetter hierher zurückzukehren.

Für ein spätes Mittagessen kehren wir in eine Taverne gegenüber dem Fähranleger ein. Auf der Speisekarte war mir Spetzofái ins Auge gefallen, ein optisch unscheinbarer, aber sehr schmackhafter Bauerneintopf aus Tomaten, Paprika und deftiger Bratwurst, den ich als regionale Spezialität aus dem benachbarten Pílion kenne. Heny nimmt gegrillten Oktopus. Die als Vorspeise gewählten Tomatokeftédes (Tomaten-Käse-Puffer) sind so groß, dass wir uns einige für später einpacken lassen. Mit Weißwein, Mýthos und zwei magenschließenden Tsípouro kostet uns das lukullische Vergnügen nicht mehr als 42 €.

Während des Essens sind die Wolken zusehends aufgerissen und als wir uns wieder auf den Weg machen, strahlt die Sonne mit uns um die Wette. Zunächst umrunden wir das Boúrtzi-Inselchen, von dem wir schöne Ausblicke auf die gegenüberliegende Halbinsel und die Altstadt haben. Auch die Promenade sowie die Fischerboote im Alten Hafen erstrahlen bei diesem Wetter in ganz neuem reinem Licht.

Wir haben ein besonders Licht. Nicht zufällig haben wir zwei Literatur-Nobelpreisträger, die über dieses Licht geschrieben haben. Das Licht unserer Inseln ist magisch.
(Marina Vernikos)

Wir spazieren zum Ortsrand an den südlichsten Punkt der Stadt, den sogenannten "Skiáthos Rocks". Außer uns sind nur eine Handvoll Menschen hier, die in der Ruhe abseits des Stadtzentrums auf den Felsen sitzend die Sonne oder den Blick zur Stadt genießen. Später gehen wir zur Fußgängerzone zurück und kehren in die rustikal-gemütliche Portobello-Bar ein. Während wir bei einem großen Bier sitzen, geht ein wahrer Wolkenbruch nieder, der innerhalb weniger Sekunden eine beeindruckende Heftigkeit erreicht. So plötzlich wie er begonnen hat, ist er wieder vorüber und wir können unseren Stadtbummel fortsetzen.

Am Abend fahren wir in unser Hotel zurück. Da wir nach dem üppigen Mittagessen keine Lust auf ein warmes Abendessen verspüren, reichen uns die verbliebenen Tomatokeftédes und etwas frisches Obst vollkommen aus. Wir lassen den Abend auf dem Balkon ausklingen und bemerken zu unserer Freude, dass die letzen Wolken sich verziehen und die sternenklare Nacht das Ende der Regenzeit verspricht.