Píndos / Pílion 01.06.2017

Zu den Bildern

Am Morgen treffe ich erneut Dimítris und übergebe ihm einen Abzug des Fotos von 1982. Überraschung und Spaß sind groß - der erste Kommentar seiner Gattin ist "Damals hattest Du ja noch gar keinen Bauch!"...

Das Ziel meiner heutigen Tour ist die gegenüberliegende Ägäis-Küste. Auf dem Weg dorthin muss ich das Pílion-Massiv überwinden. Die Straßen sind in den letzten Jahren keineswegs schlechter geworden. Diese Aussage soll jedoch nicht überbewertet werden, es bedeutet nicht, dass es nun eine Kurve weniger gäbe, man den dritten Gang verwenden könnte oder ich meinen Kindern erlauben würde, hier zu fahren. Nur die Straße von Moúresi hinab zur Küste erfüllt aufgrund ihres Zustands alle alten Pílion-Klischees.

In Agíos Ioánnis spaziere ich zunächst die Promenade auf und ab und frühstücke dort. Es ist herrliches Wetter! Im Anschluss starte ich eine kleine Wanderung, die mich zunächst am bekannten Badestrand von Papá Neró entlang führt. Es ist 10 Uhr und der Strand fast menschenleer, gerade erst trudeln die ersten Sonnensuchenden ein. An der Landseite erheben sich kurz hinter dem Strand die grünen Hänge des Pílion. Zahlreiche Wildblumen, Stauden und Kräuter erfreuen Auge und Nase.

Am Südende des Strandes soll es einen alten Saumpfad (gr.: Kalderími) geben. Ich finde ihn nicht auf Anhieb, bin aber schließlich erfolgreich. Er ist gut zu gehen, verläuft überwiegend im Schatten der Bäume und führt am Ende steil hinauf zur inzwischen gepflasterten Straße nach Damoúchari, meinem eigentlichen Ziel.

Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
(Franz Kafka)

Damoúchari ist ein winziges Nest aus wenigen Häusern, welches zwischen zwei Kiesbuchten liegt. Der Ort hatte früher einige Bedeutung, da er der einzige Naturhafen an der Ostküste des Pílion war. Seit er vor zehn Jahren Drehort einiger Szenen für das ABBA-Musical "Mamma Mia" war, ist sein Bekanntheitsgrad etwas gestiegen, was seinem Charme zum Glück keinen Abbruch getan hat. Autofrei und abgelegen ist er bis heute eine Oase der Ruhe. Sein Strand erinnert mich wegen seiner Farben enorm an das nahe gelegene Fakístra, aber die groben Kiesel schrecken mich ab. Am Ende der Bucht mündet die Chalórema-Schlucht, in der mehrere Lagerfeuerstellen auf eine gelegentliche abendliche Nutzung deuten. Den Versuch, in die Schlucht aufzusteigen, muss ich jedoch schnell aufgeben - zu steil erheben sich die Felsen, die ohne alpine Ausrüstung nicht zu erklimmen sind.

Viel schöner als den Strand finde ich die Hafenbucht mit ihren pittoresken Winkeln. Zunächst ersteige ich den Felsen, der Strand und Hafen voneinander trennt und finde einen Platz im Schatten eines Olivenbaumes, von dem aus ich die blau-türkis-grüne Aussicht genießen kann. Anschließend nehme ich in einer der Tavernen Platz und entspanne auf ihrer schattigen Terrasse bei einem Kafé frappé.

Wohl erfrischt mache ich mich auf den Rückweg. Die Sonne hat unterdessen ihren Höchststand erreicht, weswegen ich es sehr gemütlich angehen lasse. Am Strand von Papá Neró angekommen, lege ich eine kleine Mittagspause mit Toast und einem Amstel-Bier in einer verschlafenen Strandbar ein. Am Nordende des Strandes muss ich schmunzeln: Ein Künstler hat auf den Felsbrocken zwei Dutzend stilisierte Steinfiguren aufgestellt. Auf weiteren Felsen ruhen sich Möwen aus, die so bewegungslos verharren, dass ich zuerst unsicher bin, ob diese nicht zur Installation gehören. Schließlich erreiche ich das Auto und fahre nach Kalá Nerá zurück. Den Rest des Tages verbringe ich dort am Strand. Die Sonne ist inzwischen nicht mehr ganz so brennend und die Wassertemperatur so angenehm, dass man sich längere Zeit im Meer aufhalten kann. Das sind perfekte Bedingungen für einen erholsamen Nachmittag.

Man muss dem Körper Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.
(Winston Churchill)

Zum Abendessen besuche ich die Taverne Roúmeli, welche unmittelbar neben dem Páris ebenfalls direkt am Meer liegt. Das gut gekühlte Mýthos befindet sich in Gesellschaft von gebratenen Auberginenscheiben mit Tsatsíki, Schweinekotelett und den üblichen frittierten Kartoffelstäbchen. Die Auberginen sind etwas zu ölig und die Portion so groß, dass ich trotz mächtigen Appetits kapitulieren muss. Den Joghurt mit Kirschen in Kirschsirup, der anschließend serviert wird, würde ich nicht oben drauf stopfen, wenn er nicht so unverschämt lecker wäre. 15 € ist die Völlerei durchaus wert.

Zur Verdauung spaziere ich die gesamte Promenade entlang bis zum gegenüberliegenden Ende der Bucht. Dort befindet sich ein Gelände, das wie ein Mix aus gepflegtem Ziergarten und kleinem Campingplatz wirkt. Zu meiner Verblüffung ist es von Fotografierverbot- und Military-Area-Schildern flankiert. Später frage ich den am Eingangstor postierten Wachsoldaten, um was es sich handelt und erfahre, es sei ein Erholungscamp für Offiziere. Keine schlechte Lage!

Auf dem Rückweg kehre ich in die Médousa-Bar ein. Es ist nach wie vor angenehm warm, sodass ein kühles Bier genau der richtige Tagesabschluss ist. Das Schälchen mit Salzigem zum Bier ist in Griechenland fast überall üblich, eine zusätzliche Flasche Wasser gibt es wohl nur hier, im Ort der "Guten Wässer" (gr.: Kalá Nerá).

Agíos Ioánnis:


Papá Neró:


Damoúchari:


Papá Neró:


Kalá Nerá: