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Die Lage des Hotels macht es unmöglich, von dort aus einen Sonnenuntergang zu sehen. Aus diesem Grund stehe ich früh auf, um stattdessen einen Sonnenaufgang zu erleben. Es lohnt sich - er ist ein ergreifender Anblick in der klaren Morgenluft.

Wir wollen unsere Tagestour erneut mit einem Ziel an der Südküste beginnen: Die Halbinsel Alikí, die trotz ihrer geringen Ausdehnung sowohl kulturell wie auch landschaftlich einiges zu bieten haben soll. Die lang gestreckte Halbinsel ist über eine 100 Meter breite Landbrücke mit der Hauptinsel verbunden, an deren südlicher Seite sich ein sehr beliebter Badestrand befindet. Dementsprechend sind die Parkplätze bereits gut gefüllt, als wir gegen 9:30 Uhr eintreffen.

Wir beginnen unseren Rundgang am Nordstrand, welcher bis zu den Überresten eines antiken Doppelheiligtums reicht. Die alten Griechen wussten die Schönheit der Landschaft als Standort für ihre Tempel wohl zu nutzen. Etwas weiter oberhalb stößt man auf Ruinen zweier frühchristlicher Basiliken, die zurzeit Objekte umfangreicher Restaurierungsarbeiten sind. Das Schönste an dieser Seite der Halbinsel ist allerdings die Küste, an der die Lagen reinweißen Marmors bis ins Meer ragen. Das Balancieren auf den schrägen Platten erfordert eine gewisse Trittsicherheit, wird aber mit einer grandiosen Aussicht belohnt, die wir als Kulisse für eine ausgedehnte Photosession nutzen. Zahlreiche Bilder von Heny, Isabell und mir sind das Resultat. Jetzt am Vormittag ist die Sonne noch gut zu ertragen und die kräftige Brise, die über die Steine weht, ist herrlich. Die gesamte Szene weckt in Heny eine Begeisterung, die es mir schwer macht, sie nach geraumer Zeit zum Aufbruch zu bewegen, um auch den Rest der Halbinsel in Augenschein zu nehmen.

Es war ein Vormittag, der allen, die ihn erlebten, unvergesslich bleiben würde.
(Ioanna Karystiani)

In den steilen Klippen weiter südlich befindet sich eine kleine Höhlenkirche. Unweit von ihr, etwas weiter am südwestlichen Ende der Halbinsel, sind die Überbleibsel des langjährigen Marmorabbaus in der Antike zu erkennen. Bis knapp unter die Wasseroberfläche wurde das wertvolle Gestein gebrochen und direkt vor Ort auf Schiffe verladen. Der thassische Marmor war in hellenistischer und römischer Zeit in der gesamten antiken Welt begehrt. Auch jetzt und hier ist das Farbenspiel der schneeweißen Steine, der frischgrünen Kiefern und der verschiedenen Blautöne von Himmel und Meer eine Augenweide. Erst von den höheren Lagen kann man erkennen, dass ein nennenswerter Teil der ursprünglichen Halbinsel dem Marmorbedarf der alten Baumeister zum Opfer gefallen ist.

Wir kehren schließlich an den Strand zurück, doch nicht um zu baden, sondern der einladenden Tavernen wegen. Deren Außenbereiche wirken wie der Garten Eden: Äpfel, Birnen, Quitten, Oliven, Melonen, Feigen, verschiedene Gemüse... es mangelt an nichts. Dazwischen findet sich sogar noch Platz für Zierpflanzen wie der wunderschön blühenden Klettertrompete. Pittoresk wirken die zwischen den Bäumen wie Wäsche zum Trocknen aufgehängten Oktopoden. In einer der Tavernen gönnen wir uns frisch gepressten Orangensaft und griechischen Mokka.

Auf der Rückfahrt beabsichtigen wir einen Imbiss im Bergdorf Panagía einzunehmen. Noch während ich nach einem Parkplatz Ausschau halte, entdeckt Heny am Grill einer Taverne einen Kokorétsi-Spieß. Hier hat man sich offensichtlich auf nicht-vegetarische Kost spezialisiert, denn in zwei großen Grillstationen drehen sich darüber hinaus ganze Zicklein, Hähnchen, Gyros und Haxen. Die kross gegrillten Lamminnereien erfüllen höchste Ansprüche, aber zusammen mit Pommes, griechischem Salat und Tsatsíki wird daraus alles andere als der ursprünglich vorgesehene "kleine Snack". Egal - es schmeckt vorzüglich und unter der gewaltigen Platane im Ortsmittelpunkt sitzt man ausgezeichnet.

Nach dem Festmahl machen wir einen Spaziergang in den höher gelegenen Teil des Dorfes. Panagía ist seit alters her für seinen Wasserreichtum bekannt. Dieser manifestiert sich in besonders schöner Weise am "Platz der drei Quellen", wo das köstlich kalte, kristallklare Nass zusammenströmt und in einem Brunnen im Schatten großer Platanen gesammelt wird. Erfrischender haben wir in diesem Urlaub bisher nirgendwo gesessen. Leider können wir auch hier die nahe gelegene Ortskirche nicht besichtigen, da sie verschlossen ist.

Alles atmete Frieden und eine von Duft durchsüßte Freudigkeit. Unten rauschte ein Brunnen.
(Hugo von Hofmannsthal)

Von Panagía kehren wir zunächst zum Hotel zurück, wo wir eine Siesta am Strand oder korrekter gesagt, größtenteils im Meer verbringen. Am späten Nachmittag fahren wir nach Liménas, wo wir zuerst einen Stadtbummel machen und die Damen anschließend zum Kuchen in ein Café einkehren. Ich bin noch satt vom Mittagessen und begnüge mich mit einem Kafé frappé. Vor dem Abendessen gebe ich rasch und unkompliziert den Wagen ab und spaziere zum Hotel zurück.

Am Abend ist unser Hunger weiterhin gedämpft. Nur Isabell lässt sich Spaghetti mit Tomatensoße als Vorspeise bringen, ansonsten begnügen wir uns mit Gemistés (gefüllte Paprika und Tomaten), einer Flasche Wein und einem kleinen Eis hinterher. Die Nacht ist warm und windstill.