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Heute habe ich einen Badetag vorgesehen und es sieht so aus, als wolle das Wetter meine Pläne erneut unterstützen. Als Ziel für diese Aktion habe ich Elafónissos auserkoren, eine winzige Insel, die nahe vor der Küste des östlichen Nachbarfingers der Pelopónnes liegt. Die Fahrt dorthin führt durch ländliche Gebiete, hier haben Schildkröten, die die Straße von rechts überqueren, Vorfahrt. Um 9:15 Uhr erreiche ich den Fährkopf zur Insel, sodass ich 45 Minuten auf die nächste Fähre warten muss. In dieser Zeit komme ich mit einem älteren Paar aus Euskirchen ins Gespräch, das sechs Wochen mit seinem Wohnmobil unterwegs ist. Die beiden sind in den letzten Jahren fast ebensoviel in Griechenland herumgekommen wie ich, was reichlich Stoff für einen lebhaften Austausch liefert. So vergeht das Warten im Nu.

Die Passage über den schmalen Sund ist nicht billig: 11 € will der Fährmann für Auto und Fahrer von mir haben. Neben wenigen Touristen und ein paar Einheimischen sollen drei Lastwagen auf die Fähre, was nur mit einer optimalen Parkstrategie zu schaffen ist. Wer nicht rechtzeitig aus dem Wagen steigt, muss durchs Seitenfenster klettern oder während der Überfahrt notgedrungen im Auto sitzen bleiben. Letzteres wäre schade, denn man würde den hübschen Anblick des gleichnamigen Insel-Hauptorts verpassen.

In nur fünf Minuten gelange ich zum Símos-Strand auf der entgegengesetzten Seite der Insel. Vom Abstellplatz des Wagens muss ich zunächst die Dünen überwinden, dann öffnet sich der Blick auf einen der schönsten Strände Griechenlands. Es ist bestes Badewetter, kaum Wind und dazu dieser wundervolle Strand! Er ist bis zu 50 Meter breit und besteht nur aus allerfeinstem Sand. Kein Kiesel, kein Stein, kein Fels, nicht mal eine Muschelschale stören das Gefühl, wenn die Füße im fließend weichen Untergrund versinken. Dahinter liegt ein breiter Dünenstreifen aus ebenso feinem Sand. Auf diesem gedeihen neben der üblichen Dünenvegetation auch Büsche und große Bäume des Syrischen Wacholders, was mir besonders gut gefällt, da ich mein Lager bekanntlich gerne im Schatten aufschlage.

Bei meiner Ankunft ist der gut einen Kilometer lange Sandstreifen fast menschenleer, nur mit scharfen Augen sind in der Ferne eine Handvoll Badegäste auszumachen. Zunächst unternehme ich einen Spaziergang entlang der Wasserlinie. Der Strand wird durch eine kleine vorgelagerte Halbinsel in zwei Abschnitte gegliedert. Von dieser Anhöhe hat man einen sehr schönen Überblick über beide Teile.

Wie malerisch die Landzunge ins Meer ragt, so dass sie - wie eine Spiegelung - gleich mit zwei Buchten lockt: jede mit einem halbmondförmigen Sandstrand, so fein und fast so hell wie Zucker.
(Hannah Glaser)

Nach dem Spaziergang gönne ich meinem erhitzen Körper einen Sprung ins Meer. Der Strand setzt sich im Wasser so perfekt fort, wie er es an Land verspricht: Purer Sand, kein einziger Stein und ein sehr flacher Verlauf erlauben es, weit ins Wasser hinein zu gehen und unbeschwert zu planschen. Im ersten Augenblick erscheint das Wasser eiskalt, aber wenn man sich erst mal an die 20°C gewöhnt hat, will man nie wieder raus. Es ist einfach wunderbar!

Doch irgendwann hat selbst der schönste Badespaß ein Ende. Am frühen Nachmittag kommt mehr Wind auf und zeigt, dass feinster Sand unter diesen Umständen seine Nachteile hat. Es gibt einen weiteren bekannten Strand auf der Insel, den Panagías-Strand an der Westküste. Um zu sehen, ob ich für meinen Badetag die beste Wahl getroffen habe, mache ich einen kurzen Abstecher dorthin. Tatsächlich ist der Strand ähnlich schön und genauso fein. Allerdings fehlt mir der Charme der großen Dünen, sodass ich mit meiner Entscheidung für den Símos-Strand auch rückblickend sehr zufrieden bin. Schließlich kehre ich in den Ort Elafónissos zurück, wo ich die Wartezeit bis zur Abfahrt der Fähre vollkommen entspannt mit einem Kafé frappé überbrücke.

Zwischen ruhig sein und nichts tun liegt ein großer Unterschied.
(Ralf Kiel)

Auf der Rückfahrt entschließe ich mich spontan, einen Abstecher ins nahe gelegene Monemvasía zu machen. Beim letzten Besuch dort haben wir die Besichtigung der mittelalterlichen Oberstadt ausgelassen, was ich nun nachholen möchte. Auf der Fahrt dorthin zieht leichte Bewölkung auf, die sich jedoch nur um die höheren Gipfel des Hinterlandes zu dickeren Quellwolken verdichtet.

Selbst wenn man weiß was einen erwartet, ist der Anblick des riesigen Felsens von Monemvasía beeindruckend, der plötzlich vor einem im Meer auftaucht. Ich parke den Wagen schon vor der Brücke und finde eine schöne Alternative zum Gang entlang der Straße: Einen alten Eselspfad, der auf halber Höhe des Schotterkegels unmittelbar zum oberen Stadttor der Unterstadt führt, welche einem von dort aus malerisch zu Füßen liegt. Leider erweist sich die Besichtigung der Oberstadt zurzeit als unmöglich, da der gesamte Bereich wegen umfangreicher Restaurierungsarbeiten komplett gesperrt ist. So bleibt ein Wunsch fürs nächste Mal...

Zum Trost bummele ich ein wenig durch die Unterstadt, deren Wiederaufbau seit meinem letzten Besuch weiter vorangeschritten ist. Das hat Vor- und Nachteile. Natürlich besticht das Gesamtbild der Stadt bis ins Detail mit einer unnachahmlichen Atmosphäre. Dafür muss man in Kauf nehmen, dass die Hauptstraße ohne Ausnahme aus Juweliergeschäften, Souvenirläden, Hotels und Restaurants besteht. Auf dem Rückweg gehe ich die Uferstraße entlang, wo ich mich an allerlei üppiger Blütenpracht erfreuen kann.

Auf der Rückfahrt mache ich wenige Kilometer vor Gýthio einen Abstecher zum Glyfáda-Strand. Was ihn besonders macht ist weder der feine Sand, noch die spärlichen Überreste von gemauerten Hafenanlagen aus römischer Zeit. Hier liegt ein altes Schiffswrack auf dem Strand und zwar so, dass man trockenen Fußes bis zu ihm gelangt. Seltsam - an anderen Orten ist ein "Shipwreck Beach" eine Attraktion - hier kräht kein Hahn danach.

Da ich den gesamten Tag nicht viel gegessen habe, brauche ich am Abend etwas Handfestes. Dazu gehe ich in den Teil der Stadt, der dem touristischen Hafenviertel gegenüber liegt. Eine große Portion frittierte Auberginenscheiben, Tsatsíki und vier Souvláki-Spieße füllen meine Energiereserven wieder ordentlich auf. Dazu gibt es ein Alfa-Bier, das ich allerdings nicht in meine Favoritenliste aufnehme. Insgesamt bezahle ich 16 €.

Anschließend bummele ich weiter durch dieses Stadtviertel, in dem die Einheimischen unter sich sind. Später lasse ich mich in einer Seitenstraße zu einem weiteren Bier nieder. Diesmal ist es ein Fischer-Bier, eine mir bislang unbekannte Marke, die mir ausgezeichnet mundet. Während ich dort sitze, kommt eine griechische Kleinfamilie an und schaut sich suchend nach einem freien Tisch um. Da ich alleine einen Vierertisch belege, biete ich ihnen die freien Plätze an. So kommen wir ins Gespräch. Die Mutter stammt aus Nordgriechenland und hat viel von ihrem Land gesehen, was untypisch ist und Stoff für einen netten und interessanten Gesprächsabend bietet. Als ich schließlich aufbrechen und bezahlen will ist es für sie selbstverständlich, dass sie die Kosten für mein Bier übernehmen. So sind sie, die Griechen - es ist vollkommen egal, ob du Deutscher bist - Gastfreundschaft und Politik wissen sie genau zu trennen. Ein wunderbarer Abend!

Wundersame Dinge geschehen einem in Griechenland - wundersame, gute Dinge, die sonst nirgends auf der Welt geschehen können.
(Henry Miller)

Elafónissos:


Símos-Strand:


Panagías-Strand:


Monemvasía:


Glyfáda-Strand: