Thrákien / Chalkídiki 22.05.2008

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Was suchte ich als du kamst in den Farben der aufgehenden Sonne
Alter des Meeres in den Augen
Und im Körper Gesundheit der Sonne - was suchte ich?
(Odysseas Elytis)

Der Morgen bringt völlig neue Luft: Die letzte Spur Schwüle ist verflogen, strahlende Sonne scheint von einem stahlblauen Himmel - herrliche Luft zum tief durchatmen. Da ich am Mittag eine Bootstour entlang der Áthos-Küste geplant habe, mache ich am Morgen nur einen kleinen Ausflug. Ich fahre nach Megáli Panagía. Das Dorf, inmitten von bewaldeten Hügeln gelegen, ist vollkommen touristenfrei (natürlich, da es in Luftlinie zehn Kilometer vom Meer entfernt liegt). Der Ort ist beschaulich, aber nicht leblos, gepflegt, aber nicht steril, wirkt in keinerlei Weise bäuerlich oder ärmlich, sondern hat viele Geschäfte, die sich in den Gassen verteilen und sogar eine kleine Disco am Ortsrand. Im Zentrum gibt es mehrere Cafés und Kafenions, so dass ich bei einem Frappé das Leben beobachten kann. Die Frauen kaufen ein, die Hände voller Tüten, palavernd auf den Straßen, die Männer sitzen im Kafenion, spielen Karten oder Backgammon. Fisch- und Schrotthändler fahren mit ihren Pick-Ups megaphonierend durch die Straßen: Die klassische Dorfidylle. Mit 1,50 € ist der Kaffee hier einen ganzen Euro preiswerter als in den Städten oder an den Küsten. In einer Bäckerei kaufe ich zwei XXL-Rosinen-Weckchen, jedes so groß wie zwei bei uns, für zusammen 1 €. Der Ort strahlt so intensiv Ruhe und Frieden aus, als wolle er sich als Therapiezentrum für Burn-Out-Patienten empfehlen.

Den Weg zurück fahre ich in einem Zustand äußerster Entspannung durch die paradiesisch blühende Landschaft. Dabei komme ich an einem Aussichtspunkt vorbei, von dem man die beiden Halbinseln Áthos und Sithonía, die Insel Amoulianí und in der Ferne den Berg Áthos sehen kann.

In Ouranóupoli angekommen, wird die geplante Bootstour in Frage gestellt. Sie wird nämlich nur durchgeführt, wenn sich mindestens 25 Personen finden, in der Vorsaison eine nicht immer erreichbare Zahl. Eine Stunde vor der geplanten Abfahrt ist dieser Wert erst zur Hälfte erreicht. Die Wartezeit verbringe ich mit einem Eisbecher auf einer Bank am Ufer, im Schatten von Palmen und Eukalyptusbäumen stellt sich leichtes Karibik-Feeling ein. Am Ende findet die Tour doch statt, ca. 30 Interessenten haben sich angemeldet.

Die Halbinsel "Heiliger Berg Áthos" ist eine orthodoxe Mönchsrepublik mit autonomem Status unter griechischer Souveränität. Für männliche Pilger ist sie mit einem Visum zugänglich. Der Zutritt für Frauen ist grundsätzlich untersagt. Die 20 Großklöster der Mönchsrepublik, zum Teil über 1000 Jahre alt, sind Teil des UNESCO-Welterbes. Sie gehören zur griechisch-, serbisch-, bulgarisch- oder russisch-orthodoxen Kirche und beherbergen zuletzt mehr als 1600 Mönche.

Für den Ausflug haben wir bestes Wetter. Die Sonne scheint, die Sicht ist ausgezeichnet und eine leichte Brise sorgt für eine angenehme Erfrischung.

Ich lehnte mich zurück und blickte zum Himmel empor. Noch nie hatte ich einen solchen Himmel gesehen, er war herrlich.
(Henry Miller)

Ich habe den Eindruck, dass die Möwen und Delphine, die unser Boot begleiten, dies nur deshalb tun, um uns Menschen zu demonstrieren, wie wirklich elegantes Fliegen bzw. Schwimmen aussieht. Die Tour führt an der westlichen Áthos-Küste entlang und erlaubt Blicke auf die prachtvollen Klöster der Mönchsrepublik: Das burgähnliche Dochiaríou, das ausgedehnte Xenofóndos, das prachtvolle Pandeleímonos, ein russisch-orthodoxes Kloster mit malerischen Zwiebeltürmen und andere mehr. Zum Beispiel noch das Kloster Símonos Pétras, das Metéora-gleich auf einem steilen Felsen erbaut wurde. Zu jedem Kloster werden die wichtigsten Daten und Geschichten in drei Sprachen erzählt (griechisch, deutsch und englisch). Nach knapp zwei Stunden nähern wir uns dem Südende der Halbinsel, dem heiligen Berg Áthos, der sich über 2000 Meter aus dem Meer erhebt, ein majestätischer Anblick.

Hier, an diesem mystischen Ort, hatten vor den Menschen die Götter miteinander gekämpft.
(Nikos Kazantzakis)

Dann dreht das Boot um und kehrt auf geradem Weg in den Heimathafen nach Ouranóupoli zurück. Insgesamt eine sehr schöne, lohnenswerte Tour. Die Zeit bis zum Abendessen überbrücke ich mit einem kurzen Spaziergang, dem Einkauf von Souvenirs und einer kleinen Pause. Pünktlich zum bildschönen Sonnenuntergang finde ich mich in der bewährten Taverne ein. Ich wähle Krabbenfleisch-Salat und Moussaká, letzteres wird mit zusätzlichen Pommes serviert. Es ist wieder sehr reichlich, aber kein kulinarischer Höhepunkt heute Abend. Ein eiskaltes Mythos und der zum Nachtisch servierte Kuchen trösten mich darüber hinweg.

Megáli Panagía:


Chalkídiki-Landschaft:


Ouranóupoli:


Áthos-Bootstour:


Ouranóupoli: