Léfkas / Attika 19.05.2007

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Der für die Ausstattung des Zimmers eigentlich überhöhte Preis von 35 € wird zum Teil dadurch gut gemacht, dass der kleinwüchsige alte Besitzer persönlich für ein griechisch-kontinentales Frühstück sorgt, das er durch hausgemachte Süßspeisen und frisch in Fett ausgebackene Teigwaren aufwertet. Mit den anderen Gästen, einer ältlichen Dänin und einem texanischen Paar ("Yeah - Delphi is so nice"), die mit mir zusammen den einzigen Tisch im improvisierten Speisesaal besetzen, ergibt sich eine nette Kommunikation. Als ich aufbreche, hängen noch immer graue Wolken über den Bergen, aber im Süden sieht es heller aus. Bald bricht die Sonne durch und taucht die zahlreichen Buchten an der steilen, kargen Felsenküste in ein silbrig-graues Licht. Bereits 40 Kilometer vor Náfpaktos lässt sich die gigantische Río-Antírio-Brücke am Horizont erkennen, deren weiß ummantelte Stahltrossen im Morgenlicht glänzen.

Als ich gegen 10 Uhr in Náfpaktos eintreffe ist es sonnig und bereits sehr warm. Das schön gelegene Städtchen macht vom ersten Moment an einen positiven Eindruck auf mich. Die Straßen sind lebhaft, eng, von vielen kleinen Geschäften geziert (wenn auch hier bereits der zweite deutsche Discounter versucht, Fuß zu fassen) und im Zentrum bisweilen sympathisch chaotisch. Der malerische kleine Hafen ist von einer unversehrten venezianischen Wehrmauer zum Meer hin geschützt und an der Landseite von zahlreichen Cafés gesäumt. An der Hafeneinfahrt befindet sich ein Bronzedenkmal des spanischen Dichters Miguel de Cervantes, der hier in einer legendären Seeschlacht im Jahr 1571 auf Seiten der Venezianer gegen die Türken glorreich gekämpft und dabei einen Arm verloren hatte. Trotz der Niederlage der Osmanen blieb Náfkaptos weiter in türkischer Hand, worauf die Existenz einer Moschee direkt am Hafen dezent hinweist.

Weder ist Rückzug Davonlaufen noch Abwarten Klugheit, wenn die Gefahr die Hoffnung überwältigt.
(Miguel de Cervantes)

Vom Hafen aus zieht sich die Altstadt in engen Gassen den steilen Hügel hinauf, der von einer stark befestigten Zitadelle gekrönt ist. Auf dem Weg nach oben mache ich auf halber Höhe an einem alten Glockenturm Pause, von wo aus man einen sehr schönen Blick über die Stadt und den Golf von Kórinth hat. Nach einer kurzen Regeneration schaffe ich es weiter hoch bis zum Wehrturm der Zitadelle - von hier ist die Aussicht und der Blick auf die Altstadt noch reizvoller. Mit seiner schönen Lage, der stimmungsvollen Altstadt, dem Hafen und dem venezianisch-türkischen Erbe erinnert mich Náfkaptos nicht nur vom Namen her an Náfplion, es hat auch einen vergleichbaren Charme. Um den starken Flüssigkeitsverlust beim Aufstieg auf den steilen Südhang auszugleichen, entschließe ich mich zu einer Pause in einem edlen Café am Fuße des Wehrturms. Dort sitzt man auf gepflegtem grünen Rasen im Schatten von Olivenbäumen und kann seinen sündhaft teueren Kafé frappé bei traumhaftem Panorama genießen. So muss Urlaub sein!

Das prägende Moment der Gegenwart ist die Flüchtigkeit, die Vergänglichkeit.
(N. N.)

Später steige ich zwischen Gärten und sprudelnden Brunnen wieder in die Altstadt hinab, bummele ein wenig durch die Gassen und lasse mich zu Mittag direkt am Hafen nieder. Mit etwas Glück finde ich einen freien Tisch - viele junge Griechen sitzen hier, aber kein einziger Ausländer. Die Oúzo/Mesédes-Kombination, die ich auf dem einen oder anderen Teller erblicke, weckt meinen Appetit und ich bereue meine Wahl nicht. Ich bekomme:

  • Ein paar Bratkartoffeln
  • Einen Tintenfischring
  • Ein Stück frittierten Käse
  • Eine kleine Lamm-Frikadelle
  • Ein rundes, unidentifiziertes Fleischstück (ich tippe auf Lammhoden) mit Estragon
  • Je ein Stück panierte Hähnchenbrust bzw. -keule
  • Ein Stück Feta in Blätterteig gebacken.

Dazu wird ein großer Oúzo und ein Glas Wasser serviert. Als ich auf den Kassenbon schaue, traue ich meinen Augen nicht: 2,50 €! Phantastisch!

Extrem entspannt entschließe ich mich zu einem Verdauungsspaziergang, der mich am Ufer entlang östlich aus der Stadt hinaus führt. Der Kies-/Sandstrand, der sich hier findet, ist nichts Besonderes, sehr schön hingegen ist die lange Allee alter Platanen, in deren Schatten unzählige Cafés und Tavernen ihre Tische ausbreiten. Während die Gaststätten in der Innenstadt fast ausschließlich von jungen Leuten bevölkert waren, finden sich hier überwiegend Familien und Seniorengruppen. Hin und wieder wird die endlose Tavernenreihe von Spielplätzen und einigen Bachläufen unterbrochen. An letzteren gedeiht bemerkenswerte Flora, wie die Calla, die hier erblicke.

Die am Nachmittag zunehmende Schwüle drängt mich irgendwann zum Aufbruch, um dem erwarteten Regen im Auto zu entgehen. Kurz hinter Náfpaktos lasse ich die Río-Antírio-Brücke links liegen, kreuze das Tal des Évinos und wende mich bald darauf nach Norden. Die Landschaft ist reizvoller, als ich sie in dieser touristisch unerschlossenen Ecke Griechenlands erwartet hatte. Kurz hinter Messolóngi führt die Straße durch eine zwar namenlose, aber umso beeindruckendere Steilschlucht, in der ich wegen des inzwischen strömenden Regens keine Pause mache, und führt dann in eine Mittelgebirgslandschaft, die von vielen größeren und kleineren Seen gegliedert wird.

Als ich Amfilochía erreiche, wird der Himmel heller und trockener. Der Kleinstadt am äußersten südöstlichen Ausläufer des Ambrakischen Golfs ist jedweder Tourismus unbekannt. Trotzdem oder gerade deshalb gefällt mir das Städtchen, und da ich ohne langes Suchen im Hotel Oscar eine ordentliche Unterkunft finde, entschließe ich mich, die Reise erst am nächsten Tag fortzusetzen. Bei einem Spaziergang durch die Straßen präsentiert sich die Stadt in einem morbiden Charme. Halb oder ganz verfallene Häuser wechseln sich mit liebevoll gepflegten und renovierten ab, dazwischen blühen Rosen, Oleander und Bougainvillea. Es wird nicht ganz klar, ob die Stadt auf dem auf- oder absteigenden Ast, oder einfach so bleibt, wie sie ist. Wie fast überall gibt es auch hier an der Promenade eine Reihe von Cafés, und da der nächste Wolkenbruch droht, beehre ich eines von ihnen. Bei einem gut gekühlten Heineken-Bier kann ich in dem wind- und regengeschützten Pavillon mit dem Schreiben der Postkarten die Sintflut sinnvoll überbrücken.

Kaum, dass ich mich zum Abendessen auf den Weg mache, wird der Himmel wieder klar. An der Promenade, nahe dem zentralen Kreisverkehr, finde ich die perfekte Taverne. Mit Blick auf das Meer und die lebhafte Straße sitze ich auf einer windgeschützten Terrasse unter Weinreben. Wegen der reichlichen Schale Chips, die vorhin zum Bier serviert wurde, will ich ursprünglich auf eine Vorspeise verzichten, aber die Atmosphäre der Taverne ist so einladend und verlockend, dass ich doch das volle Programm mit gemischtem Salat, einer ausgezeichneten Moussaká und Mythos wähle. Nicht zuletzt isst man hier ziemlich preiswert.

Am späteren Abend versammelt sich die ganze Stadt zur Vólta auf der Promenade. Ich werde ein Teil der Masse, spaziere mit meiner Zigarre die Promenade entlang bis zum Hotel am Hafen und freue mich über den klaren Sternenhimmel und die Tatsache, dass ich den heutigen Regengüssen mit Autofahrt und Postkartenpause optimal entgangen bin.

Agíon Pánton:


Am Golf von Kórinth:


Náfpaktos:


Río-Antírio-Brücke:


Évinos-Tal:


Amvrakía-See:


Amfilochía: