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Nach einem original griechischen Frühstück (d.h. Kaffee und Kekse) machen wir uns bei strahlendem Bilderbuchwetter auf, den Mietwagen abzuholen. Obwohl ich den Wagen erst für 9 Uhr bestellt habe, riskiere ich, bereits eine halbe Stunde vorher am Hertz-Büro zu erscheinen, da es laut Prospekt ab 8 Uhr geöffnet haben sollte. Aber warum pünktlich öffnen, wenn der Kunde sich erst eine Stunde später angekündigt hat? Also spazieren wir eine kleine Runde "um den Block" und können bei der Gelegenheit den seltenen Anblick erleben, dass der Olymp in der wundervoll klaren Morgenluft von Thessaloníki aus gut zu sehen ist - und das aus 75 Kilometer Entfernung!

Sobald wir den Mietwagen, einen lichtblauen Seat Ibiza, in Empfang genommen haben, holen wir unser Gepäck aus dem Hotel und machen uns auf den Weg in Richtung Westen. Nach einem kleinen, unbeabsichtigten Abstecher in die wenig einladenden Industrievororte finde ich schließlich die korrekte Auffahrt zur umgehenden Autobahn, so dass wir schon bald die Metropole hinter uns lassen können.

Wir folgen der Autobahn bis zum Ende der Ausbaustrecke bei Grevená und biegen dann in südliche Richtung ab. Wenige Minuten später erreichen wir die Brücke, die den Venétikos überquert, jene Stelle, die mich schon vor drei und vor einem Jahr fasziniert hat. Nach 2½ Stunden Fahrtzeit eine willkommene Gelegenheit für eine kurze Rast. In dieser Höhe fernab vom Meer ist auch in Griechenland der Frühling noch zurückhaltend, erst zögerlich färben sich die ersten Bäume grün. Dafür führt der Fluss im Vergleich zum Mai deutlich mehr Wasser und hat eine stärkere Strömung, die von einer größeren Gruppe mutiger Kinder für eine abenteuerliche Rafting-Partie genutzt wird. Als die lebhafte Horde hinter der letzten sichtbaren Biegung verschwunden ist, kehrt wieder Ruhe ein und wir können die Stille der Landschaft, die im Westen von den schneebedeckten Bergen des Píndos-Gebirges begrenzt wird, ungestört genießen.

Auf der Weiterfahrt will ich südlich von Agiófilo, nahe der Abzweigung nach Theotókos anhalten, um ein Foto der malerischen Gebirgslandschaft zu schießen. Aber die graubraune Fläche am Straßenrand, die ich für feuchten Lehm gehalten hatte, entpuppt sich leider als knietiefer, feinster Schlamm, so dass die Vorderräder, ehe ich reagieren kann, bis zur Achse darin versinken und sich der Wagen weder vor- noch zurückbewegen lässt. Wir sitzen fest!

Immerhin sind wir auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Strecken des griechischen Festlandes unterwegs, so dauert es kaum eine Minute, bis der erste Wagen vorbeikommt, der prompt auf mein Handzeichen und die "We need help"-Rufe reagiert. Zwei Einheimische in den besten Jahren steigen aus, einer von ihnen spricht fast perfekt deutsch - wie sich herausstellt, hat er jahrelang in Bielefeld gearbeitet. Glücklicherweise hat er sich in dieser Zeit die griechische Hilfsbereitschaft nicht abgewöhnt und mit vereinten Kräften - einer gibt gefühlvoll Gas, zwei ziehen den Wagen rückwärts aus dem Schlamm - steht der Wagen nach wenigen Minuten wieder auf der festen Straße. Ich weiß kaum, wie ich mich bedanken soll, aber für die beiden war das wohl selbstverständlich. Selbst die Tatsache, dass sich einer von ihnen das Jackett mit Schlamm bespritzt hat, ist ihnen kein weiteres Wort wert. Wir verabschieden uns mit den besten gegenseitigen Wünschen. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Fremdenfreundlichkeit in diesem Land noch immer ungebrochen ist, und ein Auto, das aussieht, wie nach der VW-Touareg-Werbung.

Kurze Zeit später ereichen wir Kalambáka, eine Kleinstadt, die unmittelbar zu Füßen der Metéora-Felsen liegt. Zuerst stärken wir uns mit einem kleinen Mittagsimbiss, bestehend aus geschmortem Schweinefleisch mit grünen Pfefferschoten und einem Bauernsalat und organisieren uns in einem nahegelegenen Hotel ein kleines und preiswertes Zimmer.

Auf dem weiteren Weg zu den Klöstern durchqueren wir das Dorf Kastráki, das inzwischen größtenteils aus Hotels und Tavernen besteht und legen am Fuße des Klosters Ágios Nikoláos einen ersten Stopp ein, um am Eingang der einmaligen Felsenlandschaft die gigantische Kulisse auf uns wirken zu lassen. Die Straße windet sich von dort an in engen Kurven schnell höher und führt uns am Kloster Roussánou vorbei bis Varlaám, wo wir den Wagen abstellen und die steilen Treppen zum Kloster erklimmen. Als erstes führe ich uns zur Terrasse des Klosters, die für mich zu den magischen Aussichtspunkten dieser Welt gehört. Und heute spielt wirklich alles mit: Die Bäume im üppigsten Frühjahrsgrün, der Himmel in fast schon naivem Blau, die Raubvögel ziehen ihre Kreise zwischen den Felsen und über allem steht die Sonne und taucht die grandiose Aussicht in der makellos klaren Luft in ein gleißendes Licht.

Das Licht nimmt eine übernatürliche Beschaffenheit an, es ist nicht nur das Licht des Mittelmeeres,
es ist mehr, es ist etwas Unergründliches, etwas Heiliges.
(Henry Miller)

Die im Hof des Klosters blühenden Kirschen, Flieder und Forsythien bereichern die Farbpalette zusätzlich. Neben der freskenverzierten Klosterkirche sind die Höhepunkte der Besichtigung das kleine Museum mit den bis zu 1000 Jahre alten Bibelhandschriften und die modernisierte Seilwinde, die noch vor 80 Jahren den einzigen Zugang zum Kloster darstellte.

Im Anschluss machen wir einen kurzen Abstecher zum Kloster Metamórphosis, dem größten Kloster des Gebiets (das deshalb auch Megálo Metéoron genannt wird), kehren dann um und fahren am Kloster Agía Triáda vorbei bis Ágios Stephános. Das geht natürlich nicht, ohne einen Fotostopp bei Agía Triáda einzulegen - schließlich ist es durch seine Lage auf dem frei stehenden Einzelfelsen das zu Recht am häufigsten abgelichtete Motiv der Metéora-Klöster.

Nicht umsonst durfte das Kloster bereits 1980 in dem James Bond Film "In tödlicher Mission" eine Hauptrolle spielen.
Besonders faszinierende Luftaufnahmen der damals (1975) touristisch noch unerschlossenen Landschaft bietet jedoch der komplett am Originalschauplatz Roussánou gedrehte Actionkrimi "Auf der Fährte des Adlers".

Ágios Stephános ist am östlichen Rand der Metéora-Felsen gelegen und empfängt den Besucher mit einer weiten Aussicht über die große Ebene, die wir morgen zu passieren gedenken. Das Kloster ist von innen sehr reizvoll: Im Bogengang der Kirche hängen diverse Schlaghölzer (Símantrons) und Glockenspiele, mit denen die Nonnen zum Gebet gerufen werden; der kleine, wohlgepflegte Klostergarten verleiht der Anlage etwas Idyllisches. Von dort aus ergibt sich ein herrlicher Ausblick über Kalambáka.

Nun haben wir genug Klöster gesehen und fahren zurück in die Stadt, wo wir auf einem kleinen Platz, der mit viel Grün und einem Springbrunnen gefällig angelegt ist, eine Capuccino- bzw. Kafé frappé-Pause einlegen und die Gelegenheit nutzen, die obligatorischen Postkarten an die Zurückgebliebenen zu schreiben. Später kehren wir an denselben Platz zurück und gönnen uns zu unserem ersten griechischen Abendessen Tsatsíki, Hähnchen-Souvláki und - Tipp des Tages - Moussaká. Alles schmeckt hervorragend und wird mit einem guten Mythos-Bier bzw. Cola heruntergespült. Zu guter Letzt beschließe ich den äußerst gelungenen ersten Tag mit einer Zigarre am angestrahlten Springbrunnen.

Fernblicke zum Olymp:


Am Venétikos:


Agiófilo:


Metéora:


Der "Eingang" nach Meteora

Kalambáka: