Épirus 20.05.2005

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Nach dem kleinen Frühstück im Hotel mache ich mich auf den Weg zur Altstadt. Es ist leicht bewölkt und deutlich abgekühlt, was ich aber beim steilen Aufstieg zur hoch gelegenen Altstadt (Áno Póli) eher angenehm empfinde. In der Altstadt ist jeder Orientierungsversuch anhand eines Stadtplans zum Scheitern verurteilt: Während die Straßenzüge der in der Ebene gelegenen Innenstadt im Wesentlichen dem Schachbrettmuster eines Geistesgestörten folgen, gehorcht der Verlauf der Wege, Gassen und Treppen der Altstadt keinem bekannten Ordnungsprinzip mehr. Selbst der relativ detaillierte Stadtplan, den ich von der Autovermietung bekommen habe, verzeichnet höchstens die Hälfte des labyrinthisch verzweigten Gangsystems. Verlaufen kann man sich trotzdem nicht - man muss einfach immer nur bergauf gehen - dann stößt man irgendwann auf die alte Stadtmauer, an der man sich dann hervorragend orientieren kann.

Bald erreiche ich den Trigonion-Turm, die fast baugleiche Schwester des Weißen Turms, von dessen Fuß aus man einen tollen Überblick über die gesamte Stadt hat. Dann wende ich mich nach Westen und gelange nach kurzem Spaziergang zum Kloster Vlatadon, das den Hauch 2000-jähriger Geschichte verströmt: An dieser Stelle soll 49 n. Chr. der Apostel Paulus den Thessalonikern die frohe Botschaft verkündet und eine der ersten christlichen Gemeinden gegründet haben.

Alles an dieser Stätte ist voller Widersprüche. Man befindet sich an einem Nabel des menschlichen Geistes, dem Ort der Verbundenheit mit der Vergangenheit und zugleich der völligen Loslösung davon. Die Atmosphäre ist undurchdringlich, sie ist grimmig und lieblich, verführerisch und abstoßend zugleich. Was hier geschah, übersteigt alle Begriffe.
(Henry Miller)

Zu Füßen des Klosters liegt gut verborgen im Labyrinth der Gassen die kleine Kirche Óssios Dávid. Gegen einen Obolus von 1 € schließt die alte Wächterin die Kirche aus dem fünften Jahrhundert auf und achtet auf die strenge Einhaltung des Photographieverbots. In der Apsis der Kirche befindet sich ein kunst- und religionshistorisch einzigartiges Mosaik aus der gleichen Zeit, das einen jungen, bartlosen (!) Christus zeigt, dem der Prophet Hezekiel in einer Vision erscheint.

Nach soviel Kultur schlendere ich durch die verwinkelten Gassen zurück zur Innenstadt, um das morgendliche Markttreiben zu sehen. Das Marktviertel in Thessaloníki ist immer wieder ein Erlebnis der besonderen Art, nicht aufzählbar ist, was es hier alles zu kaufen gibt. Besonders farbenprächtig sind natürlich die Obst- und Gemüsestände, am lebhaftesten geht es jedoch in den Straßen der Fleisch- und Fischhändler zu. Man hat den Eindruck, dass die Ware umso besser ist, je lautstärker sie angepriesen wird. Die Auswahl an Meeresfrüchten aller Art ist wirklich beeindruckend - schade, dass man sich nicht einen ganzen Kühlschrank davon mitnehmen kann. Wunderschön ist auch der Laden mit Spirituosen und dem unverzichtbar dazu gehörenden Knabbergebäck, oder die Auswahl an Oliven in allen Farben, Größen und Geschmacksrichtungen. Wer durstig ist, kann den Getränkeservice in Anspruch nehmen und sich Kaffee und Erfrischungen direkt an den Stand servieren lassen.

Auf dem Markt kaufe ich mir ein paar Pitas als Reiseproviant und fahre anschließend, da das Wetter inzwischen etwas aufgeklart ist, mit dem Auto noch mal zum Trigonion-Turm hoch, um ein letztes Mal den herrlichen Panoramablick über die Stadt zu erleben. Da mir bis zum Abflug ein wenig Zeit verbleibt, setze ich mich zu Füßen des Turms in ein Kafenion, wo ich bei zunehmendem Sonnenschein meinen letzten Kafé frappé mit einer 1A-Aussicht genießen kann.

Dann heißt es irgendwann: Zurück zum Flughafen...

Thessaloníki:


Óssios Dávid:


Vláli-Markt:


Blick über Thessaloníki: