Zu den Bildern

Ich schaffe es nicht, den Pilion zu verlassen, ohne nicht noch einmal einen kurzer Aufenthalt in Vólos einzulegen. Auf dem morgendlichen Fischmarkt ist das Angebot deutlich geringer als früher, aber dafür sehe ich kurz darauf am Hafen, wie einige Einheimische den wirklich frischen Fisch direkt vom Boot des Fischers kaufen. Als ich auf die Schnellstraße in Richtung Larissa einschwenke und die Berge des Pilion hinter mir lassen, kann ich ein paar Tränen nicht unterdrücken. Der Urlaub tritt in seine letzte Phase ein.

Die Fahrt auf der Autobahn in Richtung Norden geht zügig voran, so dass ich den ersten geplanten Zwischenstopp schnell erreiche: Das enge und üppig bewaldete Témpi-Tal, das der Fluss Piniós kurz vor seiner Mündung ins Meer in die Berge gegraben hat, ist wirklich eine Pause wert, auch wenn mir eine Hundertschaft von Japanern, die aus den Reisebussen quellen, den Genuss der Natur zu Beginn etwas verleidet. Der wasserreiche Piniós wird an dieser Stelle von einer wackeligen Fußgänger-Hängebrücke überspannt, von den schattigen Ufern aus sieht man zahlreiche Fische, die sich im grünen Wasser tummeln. Ich kann gut verstehen, dass der Gott Apollo diese Stelle gewählt hat, um sich nach seinem Sieg über den Drachen Python im Wasser von den Spuren des Kampfes zu reinigen, bevor er das Heiligtum von Delphi gründete.

Dann geht es weiter, vorbei an der markanten Kreuzritterburg von Platamónas, vorbei an den Hängen des Olymps (der diesmal seine Spitze in Wolken verhüllt hat) bis zum nächsten Zwischenstopp in Díon. Díon, eine antike Kultstätte, die von gleicher Bedeutung wie Delphi, Dodoni oder Olympia war, liegt in einer Ebene nördlich des Olymp-Massivs. Diese wird von zahlreichen kleinen Wasserläufen durchzogen und dadurch teilweise in eine Sumpflandschaft verwandelt. Mit ihrer Mischung aus Wiesen, Weiden und Pappeln erinnert sie an den unteren Niederrhein an einem heißen Hochsommertag.

Die antiken Stätten, die nie überbaut wurden, werden zurzeit noch ausgegraben, aber obwohl bisher kaum etwas rekonstruiert ist, ist das, was zu sehen ist, schon sehr beeindruckend. Die Kombination aus hellenistischen und römischen Überresten, eingebettet in die naturnah belassene Landschaft und im Hintergrund das mächtige Panorama des Olymps schaffen eine einmalige Atmosphäre. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich einen freilebenden Klapperstorch aus dieser Nähe. Vermutlich sucht in den feuchten Wiesen nach Fröschen. Inzwischen wird es heiß und nach Tagen im Gebirge beginne ich zum erstenmal in diesem Urlaub, wirklich zu schwitzen.

Von hier aus ist es nicht mehr weit bis Thessaloníki. Ich lasse den Wagen auf halben Weg zwischen Ringautobahn und Zentrum stehen und erkunde die zweitgrößte Stadt Griechenlands erst mal zu Fuß. Die Straßen sind heiß, laut, hektisch und stickig. Das absolute Kontrastprogramm zu den letzten Tagen! Der erste Stadtrundgang führt mich vom Hafen über die Promenade Nikis (deren Cafes von tausenden jungen Leuten bevölkert werden - woher haben die alle das Geld, um 2,50 € für einen Kafé frappé auszugeben?) bis zum "Weißen Turm", von dort an Stadtbibliothek und Messegelände vorbei durch die Odós Egnatia, eine der Hauptstraßen Thessaloníkis, die seit mehr als 2000 Jahren die Stadt in Ost-West-Richtung durchquert. Hier finde ich schließlich auch eine preislich akzeptable Unterkunft (25 €), wo ich die Dusche genieße wie lange nicht mehr und mich erst mal ausruhe. Vor dem Abendessen lasse ich mich eine Zeit lang ziellos durch die Stadt treiben und kehre später in einer Nebenstraße zu griechischem Salat, Moussaka und Bier in eine kleine Taverne ein. Das Preisniveau entspricht der Größe der Stadt.

Die letzte Zigarre genieße ich auf der Promenade Nikis, blicke über den Golf von Thessaloníki und werde von einer schweren, traurigen Abschiedsstimmung ergriffen.

Vólos:


Témpi-Tal:


Díon:


Thessaloníki: