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Am Morgen fahre ich in die Stadt Vólos, wo ich mich zu Fuß durch das pulsierende Leben der Großstadt quer hindurch bis zum Hafen treiben lasse, erledige anschließend einige Souvenirkäufe und mache mich dann auf den Weg Richtung Makrinítsa. Die kurvenreiche Straße führt durch Ano Vólos und Portariá und bietet in der klaren, kaum dunstigen Luft immer wieder herrliche Ausblicke auf die Stadt Vólos und über den Pagasitischen Golf. Da Makrinítsa auf Grund einer Hanglage zwangsweise autofrei ist, lasse ich Wagen auf einem schattigen Platz vor dem Ortseingang stehen und gehe zu Fuß weiter.

Der Ort war schon früher deutlich touristischer als Vizítsa und so kommt er mir fast unverändert vor. Ein Einheimischer verwendet hier ein kleines Raupenfahrzeug zum Lastentransport, aber irgendwie kann ich keinen Vorteil gegenüber dem Einsatz von Eseln erkennen. Gut - Esel machen mehr Dreck, aber dafür macht die Maschine deutlich mehr Lärm und ist eher noch langsamer. Nach einem kurzen Rundgang und der Besichtigung der kleinen, alten byzantinischen Kapelle Ag. Ioánnis lädt mich der große, von sechs riesigen, alten Platanen überschattete Dorfplatz zu einem Kafé frappé und einer langen Pause ein.

Gegen Mittag mache ich mich wieder auf den Weg, Richtung Nord-Osten. Kurz vor Chánia sehe ich am Wegesrand eine schmucklose Taverne, in der gerade zwei Bauarbeiter ihr Mittagsmahl einnehmen. Das lockt mich natürlich an - es gibt sie also doch noch, Tavernen, die nicht für Touristen gemacht sind: Es gibt keine Speisekarte, keinen Grill, sondern nur eine große Theke, in der acht bis zehn große Aluminiumtöpfe mit diversen Suppen, Eintöpfen und geschmorten Gerichten warmgehalten werden. An der Wand hinter der Theke sind einige Paar Langstreckenskier angelehnt. Ich lasse mir die Speisen beschreiben, viele klingen verführerisch. Schließlich entscheide ich mich für das schon oft gehörte, aber noch nie probierte "Spetzofái", eine piliotische Spezialität. Es handelt sich dabei um eine Art Bratwurst, die mit vielen Kräutern kräftig gewürzt ist, und mit Paprika und Tomaten zu einem matschigen Eintopf gekocht wird - lecker, deftig und würzig. Obwohl ich direkt am Rand der Hauptverbindungsstraße Vólos - Zagorá sitze, kommt höchstens alle paar Minuten ein Auto vorbei. Trotz Mittagszeit ist die Luft in dieser Höhe (ca. 1000 Meter) herrlich frisch und von meinem Platz aus kann ich die Reste von Schneefeldern und drei Wasserläufe gleichzeitig sehen. Angesprochen auf den Schnee und die Skier erzählt mir der Wirt, dass sie im Winter stellenweise bis zu fünf Meter Schnee hatten! Wenn ich zu Beginn noch zweifele, ob diese Aussage nicht ein wenig übertrieben ist, so glaube ich es, als ich einige Kilometer weiter die Reste von Schneefeldern finde, welche noch immer eine Mächtigkeit von einem Meter haben.

Auf der östlichen Seite des Pilion führt der Weg durch eine wunderschöne Landschaft mit zahlreichen Apfelbaumplantagen und tollen Aussichten auf die Ägäis. In einem der Haine mache ich eine Pause und genieße den Augenblick bei den Klängen, die ich der am Morgen in Makrinítsa erworbenen Holzflöte entlocke. Am Ortseingang von Zagorá finde ich einen schattigen Parkplatz unter einer von zwei Platanen, deren Stämme die Einfahrt zu einer pittoresk gelegenen Tankstelle markieren. Trotz der mittelhohen Lage ist es heiß und ich spaziere langsam durch den Ort, besichtige die Kirche (wie überall beeindruckende Fresken und Ikonen) und pausiere auf dem Kirchplatz im Schatten einer riesigen Zypresse mit herrlichem Blick auf das ägäische Meer.

Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel.
(Konfuzius)

Als ich weitergehe, knicke ich mit dem rechten Fuß um, er schmerzt sehr und deshalb entscheide ich mich zur Rückfahrt. Nicht weit vom Ortsausgang entfernt überquert die Straße einen rauschenden Wildwasser-Gebirgsbach, der mir schon auf dem Hinweg aufgefallen war. Vielleicht kann ich dort meinen schmerzenden Knöchel kühlen, denke ich mir und finde tatsächlich nicht weit von der Straße einen phantastischen Platz direkt am Wasser, wo ich auf den sonnenwarmen Gneis-Felsen sitzen und gleichzeitig meine Füße im eiskalten Schmelzwasser das Sturzbachs erfrischen kann. Herrlich! Nach geraumer Zeit beginne ich die Rückfahrt und mache dabei noch mal Station in Vólos. Trotz des anschwellenden Knöchels kann ich einem Stadtbummel in dieser lebendigen Stadt nicht widerstehen, gehe das Zentrum hinab bis zum Hafen, besichtige die Basilika Ag. Nikoláos und stärke mich zwischendurch an einer ofenwarmen Pita, gefüllt mit Schinken und Feta.

Am Abend suche ich in Kalá Nerá wieder dieselbe Taverne auf, der Vorspeisenteller und der Tsipouro gehen wie üblich aufs Haus, als Hauptspeise nehme ich heute Keftedes (in Tomatensauce geschmorte Rindfleischbällchen mit extrem viel Koblauch) sowie Bier (7,60 €). Warum sollte der Platz für die Zigarre heute Abend ein anderer sein, als an den vergangenen zwei Abenden? Die Luft ist noch immer sehr mild, das Mondlicht schaukelt auf den Wellen - es bleibt phantastisch!

Vólos:


Makrinítsa:


Unterwegs:


Zagorá:


Vólos: