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Inzwischen hat die weitere Routenplanung konkretere Gestalt angenommen und das bedeutet für heute eine längere Fahrt Richtung Süden. Ich mache mich also früh auf den Weg, verzichte auf einen Abstecher nach Ioánnina und steuere wieder den Katára-Pass an. Die Fahrt über das Gebirge in der klaren Morgensonne ist ein Erlebnis und bietet zahlreiche phantastische Aussichten. Das Schmelzwasser rauscht rechts und links die Straße entlang und wird an einigen Stellen an gemauerte Trinkwasserbrunnen abgeleitet. Es ist eiskalt und äußerst erfrischend. Irgendwann ist das Gebirge überwunden, die Sonne steigt höher und hinter Kalambáka beginnt die große thessalische Ebene: Flach wie ein Kuchenbrett, langweilig und heiß.

Das einzig Abwechslungsreiche ist das Blumenmeer am Straßenrand: blutroter Klatschmohn, weiße Kamille, gelbe, violette und zahlreiche andersfarbige Blüten lockern die gleichförmige Landschaft ein wenig auf. An Tríkala und Kardítsa vorbei bin ich zwei Stunden später froh, dass ich die Ebene hinter mir habe und die Straße wieder hinauf ins Gebirge führt. Von den Anhöhen aus blicke ich zurück auf eine präriegleiche Ebene, an deren westlichem Rand sich die Ausläufer des Píndos-Gebirges am Horizont im Dunst verlieren. Weites Land!

Gegen Mittag erreiche ich Lamía, wo ich in der Vorstadt eine Taverne finde, die einen klassischen griechischen Vorspeisenteller, die Mesedés servieren. Für 3,50 € bekomme ich einen Teller mit vielen verschiedenen Häppchen:

  1. Irgendetwas mit sehr würzigem Fleisch (Schafinnereien?)
  2. Kasseler mit Füllung
  3. Möhren-/Erbsen-/Krautsalat
  4. Riesengarnele
  5. Stifádo
  6. Kalamáres-Ringe
  7. Biftéki
  8. Frittierter Fisch
  9. Féta in Filoteig

Dazu versuche ich noch einen Tomaten/Gurken-Salat zu verspeisen, scheitere aber schließlich an der Menge Olivenöl (mindestens eine ganze Tasse) und der riesigen Portion ofenfrischem Brot. Satt und träge fahre ich gemütlich weiter, überquere die Parnassós-Berge und erreiche gegen 14:30 Uhr Delphi.

Zunächst erkläre ich mir die auffallende Leere mit Vorsaison und Mittagszeit, werde aber bald der Tatsache bewusst, dass das Heiligtum Montag nachmittags ab 14:45 Uhr geschlossen hat. Was nun? Zurück bis Vólos oder über Nacht hier verweilen? Da ich es nicht über das Herz bringe, in Delphi gewesen zu sein, ohne wirklich in Delphi gewesen zu sein, entschließe ich mich, die Nacht im nahegelegenen Itéa zu verbringen. Der Weg dorthin führt durch Griechenlands größten zusammenhängenden Olivenhain (ca. 500.000 Bäume) und so erreiche ich nach kurzer Fahrt die Stadt am Nordufer des Golfs von Korinth.

Itéa hat einen für Griechenland unüblichen Riviera-Charme, eine wunderschöne, gepflegte Promenade auf der sich ein Restaurant an das nächste reiht (die Bezeichnung Taverne würde dem hiesigen Niveau nicht gerecht), sehr gute Hotels und entsprechend gepfefferte Preise. Von der langen Autofahrt und der Enttäuschung in Delphi erhole ich mich bei einem Kafé frappé auf der Promenade und genieße den Anblick der Pelopónnes am Südufer des Golfs. Irgendwann mache ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft, aber die Hotels sind gnadenlos überteuert und private Unterkünfte scheint es hier nicht zu geben. Lange laufe ich durch die von Zitronenblütenduft erfüllten Straßen der Stadt bis ich schließlich, kurz bevor ich aufgeben und die Stadt genervt verlassen will, doch noch fündig werde und ein wunderschönes Hotelzimmer zu einem gerade noch akzeptablen Preis (35 €) buche. Dieses bietet allerdings auch einiges dafür: Das Hotel liegt direkt am Yachthafen, die geräumigen Zimmer haben WC/Dusche und einen großen Balkon an der Seeseite.

Nach einer kurzen Entspannungspause bummele ich durch die zahlreichen Souvenirläden auf der Promenade, wobei die in der Vorsaison unterbeschäftigten Gastronomen versuchen, mir frischen Fisch vom Grill anzudrehen ("come and look - very good, very fresh"). Der durchschnittliche Preis von 35 € pro Kilogramm verdirbt mir dann aber doch den Appetit auf Fisch, so dass ich mich mit Taramosalata, Moussaka und Wein zufrieden gebe. Die abschließende Zigarre auf der Hafenmole darf natürlich nicht fehlen. Es kann halt nicht jeder Tag perfekt sein.