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Früh geht es los an diesem Morgen, Richtung Süden mit Ziel Metéora. Die Landschaft ist geprägt von grünen Wiesen, die sich im Wechsel mit gemischtem Laub- und Nadelwald über die Hänge ziehen und sie erinnert mich an den Schwarzwald.

Nach wenigen Kilometern kreuzt die Straße den Venetikos River, einen der beiden Quellflüsse des Aliákmonas River. Der Fluss, der aus den weiten Hügeltälern kommt, muss sich an dieser Stelle durch eine schmale Felsenschlucht zwängen, die an der engsten Stelle von der Straßenbrücke überspannt wird. Die pittoreske Szenerie zwingt mich geradezu zu einer Pause am Ufer des Flusses. Das schnell fließende Wasser gurgelt, neben mir plätschert ein kleiner Quellbach mit wunderbar kaltem und erfrischend schmeckendem Wasser. Außer dem Geräusch des Wassers, dem Gesang zahlreicher Vögel und gerade mal zwei Autos, die im Laufe einer halben Stunde die Brücke überqueren, ist es vollkommen still. Diese Stille, die Andacht, das Träumen am Ufer: Für mich ist das der erste Höhepunkt der Reise.

Die Insekten summten, sie waren hungrig. Sie stürzten sich wie Korsaren auf die Blumen und sogen den Honig ein. Die fernen Berge glänzten durchsichtig blau [...] Beruhigt schloss ich die Augen. Eine geheimnisvolle Freude bemächtigte sich meiner, als wäre das grüne Wunder ringsum das Paradies.
(Nikos Kazantzakis)

Irgendwann will ich dann doch weiter. Die Fahrt zu den Klöstern führt durch eine herrliche Berglandschaft bis nach Kalambáka, das von der gewaltigen Felsenkulisse von Metéora überragt wird. Im Ort muss ich die Straße, die zu den Klöstern hoch führt, suchen, denn im Gegensatz zum Sommer ist an diesem frühen Sonntag Vormittag im Frühling hier so wenig los, dass man nicht einfach der Menge folgen kann. Am Fuße des ersten Klosters Ag. Nikólaos pausiere ich kurz und mache mir bewusst, dass mein erster Besuch in dieser Landschaft aus Himmel und Felsen fast 21 Jahre her ist. Es riecht nach Kamille und Feigenbäumen.

Das Kloster Roussanou lasse ich rechts liegen und gelange schließlich zum Kloster Varlaam, um dieses zu besichtigen. Die Aussicht von der Klosterterrasse neben der Kirche ist grandios und reicht bis zu den schneebedeckten Gipfeln des Píndos-Gebirges. Ohne Zweifel bereits der zweite Höhepunkt heute. Nach der Besichtigung von Varlaam genügt mir bei den übrigen Klöstern der Anblick von außen. Ein Foto von Ag. Triáda auf seinem markanten Felsen darf natürlich nicht fehlen, es ist aber auch eine wirklich imposante Kulisse.

Um mich am Mittag etwas zu stärken kehre ich in Kastráki in eine unscheinbare kleine Taverne ein. Da man hier kein Englisch spricht und ich die passenden griechischer Vokabeln nicht kenne, hat mein gemischter Salat heute weder Gurken noch Paprika. Aber eines frage ich mich zum wiederholten Male: Warum schmecken hier die Tomaten so gut?

Da ich in Grevená von einem Einheimischen einen entsprechenden Rat bekommen hatte, ändere ich meine ursprünglich geplante Route und fahre anstatt nach Süden nun zuerst nach Westen in Richtung Ioánnina weiter.

Die zunächst noch gut ausgebaute Straße verlässt bald die Ebene und windet sich erst langsam, dann immer steiler die Berge hoch. Bald kommen alpine Gefühle auf, meterhohe Stangen zur Kennzeichnung des Straßesrands und mehrere Schneeketten-Stationen tun ihr Übriges. Am Katára-Pass, mit 1705 Meter Griechenlands höchstem Pass, säumen Reste von Schneefeldern die Straße, und dass alles bei ca. 25°C Lufttemperatur und strahlendem Sonnenschein. Wahnsinn, eindeutig ein weiterer Höhepunkt, der Dritte heute. Bei der Bergabfahrt bieten sich zahlreiche wundervolle Ausblicke auf Ioánnina und den davor gelegenen See.

Kurz vor Ioánnina zweige ich nach Pérama ab, um die dortige Tropfsteinhöhle - die größte Griechenlands - zu besichtigen. Der Eingang zur Höhle befindet sich mitten im Ort und außer mir findet sich nur ein älteres französisches Ehepaar zur Führung ein. Bereits im zweiten Saal der Höhle brechen die Franzosen die Besichtigung wegen körperlicher Beschwerden ab, so dass ich den Rest des Rundgangs als Privatführung bekomme. Die Höhle ist groß und zeigt großartige Tropfstein-Formationen und schließt sich deshalb an die Reihe der Höhepunkte des Tages an. Trotzdem bin ich froh, nach einer Stunde Führung die kalte und klamme Höhle (17°C, 100% Luftfeuchte) hinter mir zu lassen. Am hochgelegenen Ausgang der Höhle empfängt mich nicht nur die herrlich warme Frühlingsluft, sondern auch ein wunderschöner Blick über die Stadt Ioánnina und den Pamvótis-See.

Zurück im Ort finde ich auf Anhieb ein sehr schönes privates Zimmer (mit Dusche/WC für 25 €), wo ich mich erst einmal erfrische und ausruhe. Gastronomisch ist der Ort eher Mittelmaß, nach einem appetitanregenden Abendspaziergang entscheide ich mich für eine Taverne im Ortszentrum, wo ich mir Auberginensalat, Schinkenbraten mit Tomaten und Käse überbacken, dazu frittierte dünne Kartoffelscheiben (Chips) und Bier schmecken lasse. Ich beende den Tag auf einer Bank am Rande des kleinen zentralen Dorfplatzes mit einer Zigarre. Auch hier findet sich am Abend die gesamte Bevölkerung des Ortes zu Vólta, Klatsch und Spiel ein. Vier Höhepunkte am ersten vollen Tag - kann es überhaupt besser werden?

Unterwegs:


Venétikos-River:


Unterwegs:


Metéora:


Píndos-Gebirge:


Pérama: