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Der Tag des Abschieds ist gekommen. Nachdem wir alle Koffer wieder (mehr oder weniger) in unserem Kleinwagen verstaut haben, machen wir uns auf den Weg nach Iráklion. Da der Flieger erst am späten Nachmittag abhebt und wir bei unserem ersten Besuch in Iráklion die Stadt noch längst nicht erschöpfend ausgekundschaftet haben, können wir den Tag für eine Stadtbesichtigung nutzen. Wir lassen den Wagen wieder in Hafennähe stehen und schlendern bei herrlichstem Bilderbuchwetter durch die Straßen. Der venezianische Morosíni-Brunnen ist zwar schön und berühmt, aber hundertfach mehr begeistert uns der Markt, der heute auf der gesamten Länge der Odós 1866 stattfindet. So etwas kennt man aus Mitteleuropa nicht: Formen- und farbenfrohes Obst und Gemüse, alle Arten von Fleisch, Fisch und sonstigem Getier, Haushalts- und Badartikel, Kurzwaren, halt alles, was man zum täglichen Leben braucht. Ein Markt wie im Bilderbuch und eine Sinneserfahrung für Augen, Ohren und Nase, auch wenn der Anblick eines Netzbeutels, prall gefüllt mit noch lebenden Schnecken, etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Jeder Zollbreit von Heraklion ist malenswert; es ist eine wirre, eine bedrückende Stadt, völlig anomal, völlig heterogen, eine Traumstadt, die in einer Leere zwischen Europa und Afrika schwebt und stark nach rohen Häuten, Kümmelsamen, Teer und subtropischen Früchten riecht.
(Henry Miller)

Anschließend stärken wir uns mit ofenwarmen Tirópitas und ähnlichem Gebäck und schlagen uns dann zur Stadtmauer durch. Die stellenweise bis zu 40 Meter starken Befestigungsanlagen aus dem 15. und 16. Jahrhundert sind bis in die Gegenwart auf fast der gesamten Länge erhalten. Wir erreichen die Mauern an ihrem südlichsten Punkt, der sogenannten Martinéngo-Bastion, von wo aus man eine unübertroffene Aussicht über Iráklion bewundern kann. Das sich hier befindliche Grab des Schriftstellers Nikos Kazantzákis ist von einer kleinen Parkanlage gesäumt, wo es Bänke im Schatten der Bäume gibt, auf denen wir uns noch eine finale Pause vor dem Abflug gönnen.

Das traumhafte Wetter trägt nicht gerade dazu bei, uns den Abschied zu erleichtern. Aber es nützt nichts - mit oder ohne uns: Der Flieger hebt pünktlich ab.

Iráklion:


Odós 1866:


Martinéngo-Bastion: