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Kulturprogramm - Teil II: Heute ist Górtis (Górtyna) an der Reihe, die Überreste von Kretas Hauptstadt während der römischen Besatzungszeit. Die am Rand der Messará-Ebene gelegene Siedlung erstreckt sich über ein größeres Gebiet, wovon nur das ehemalige Zentrum der Stadt eintrittspflichtig ist. Hier ist nachsaisonale Ruhe angesagt, so dass wir die beeindruckenden Zeugen alter Kultur mit viel Ruhe besichtigen können. Direkt am Eingangsbereich steht die gut erhaltene Apsis der Basilika Ágios Títos, weiter im Inneren das römische Odeon vor den durch einen neuzeitlichen Backsteinbau geschützten Überresten des berühmten Stadtrechts von Górtis. Der in massive Steinblöcke eingravierte Gesetzestext aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. - der älteste Europas - ist im faszinierenden Boustrophedon-System geschrieben, bei dem die Zeilen abwechselnd von links nach rechts und von rechts nach links gelesen werden - eben so, "wie der Ochse die Furche zieht".

Ich steige aus [...] um die Ruinen von Gortyna zu besichtigen. Ich folge der Inschrift an der Mauer. Sie spricht von Gesetzen, die niemand mehr hält. Die einzigen Gesetzt, die dauern, sind die ungeschriebenen.
(Henry Miller)

Auf der weiträumigen Anlage geben mächtige Palmen und altehrwürdige Olivenbäume ausreichend Schatten, um die Besichtigung nicht in Stress ausufern zu lassen. Während sich der Rest der Familie von soviel Bildung erholt, durchstreife ich die Randgebiete der archäologischen Anlage, die nicht minder interessant sind. Inmitten ausgedehnter Olivenplantagen stolpert man geradezu über antikes Material, das zum großen Teil noch überhaupt nicht ausgegraben ist. Lediglich einige Höhepunkte, wie der Apollo-Tempel und Reste von römischen Thermen liegen offen - in Harmonie mit der Natur - verstreut zwischen buntgemischten römischen und griechischen Originalen und rekonstruierten Fragmenten.

Als wir auf dem Rückweg Míres durchqueren, lockt uns der quirlige Ort dazu, in einem Kafenion am Straßenrand bei Limo und Kafé frappé zu verweilen. Zum Abendessen fahren wir ins Nachbardorf Pitsídia, da uns die Auswahl in der einzigen Taverne in Sívas allmählich zu langweilig wird. Hier nehme ich die Gelegenheit für ein Moussaká wahr - da wir die einzigen Gäste sind, ist es frisch zubereitet - schade eigentlich, da Moussaká umso besser schmeckt, je länger es schon gestanden hat.